Blätter

Unsere Bundeswehr ist gut. Wir brauchen sie. Wir brauchen Menschen, die unser Land verteidigen. Freiwillige, die motiviert sind, bis an ihre Grenzen zu gehen. Und darüber hinaus. Körperliche Anstrengung, um auch extremste Situationen zu meistern, müssen trainiert werden. Ausdauer muss geübt werden. Befehle müssen ausgeführt werden. All das muss funktionieren, ohne wenn und aber. All das braucht ein Land, um sich verteidigen zu können. Aber es gibt eine Grenze. Es gibt Einheiten, die eine mehr als 80 % hohe Abbrecherquote haben. Warum? Hier herrscht rohe Gewalt. Man wird isoliert, man leistet die größte Anstrengung und wird nur niedergemacht. Die Seele wird gebrochen. Zum Schutz des Landes? Oder, um Menschen zu gefühlskalten Maschinen zu verwandeln, um jeden anderen, egal ob Feind, Frau oder Kind, ohne jede Gefühlsregung, eiskalt eliminieren zu können, oder auch vergewaltigen und foltern, ohne auch nur einen Gedanken über Recht oder Moral zu denken? Und noch weniger zu fühlen? Menschen werden abgerichtet zu Robotern. Diese Einheiten gibt es, hier bei uns in Deutschland, im 21. Jahrhundert. Das ist ein Skandal. Aber es scheint gewollt. Leider. Denn so ist das keine Verteidigungsarmee, so wird das zu einer Angriffsarmee, die als Ziel die Vernichtung hat. Die jedem Recht auf Leben entgegen steht. Das ist Krieg im eigenen Land. Es vernichtet nicht nur die Soldaten, die ihre Seele verloren haben, es vernichtet ihre Angehörigen, ihre Kinder, die in einer Welt ohne Liebe, in eisiger Gefühlskälte aufwachsen, in der nur diese Seelenlosigkeit weiter lebt. Mein Vater hatte sich im Krieg verloren. Krieg im eigenen Land. 

Der Glaube ist gut. Die Kirche gibt sozialen Halt. Der Glaube gibt den Menschen einen Sinn, einen Grund zu Leben. Er gibt Menschen etwas, wonach sie suchen, was ihnen fehlt. Das ist das Gute. Aber Religionen werden missbraucht. Im Namen der Kirche werden Kriege geführt. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Rache für vermeintliches Unrecht. Strafe. Eine Religion wird Absolutheit. Menschen radikalisiert. Extremes Denken entwickelt sich, das irgendwann nur noch den eigenen Horizont kennt, und alles andere nicht akzeptiert, als Feind verurteilt. Dieses Denken ist wie eine Gehirnwäsche. Macht Menschen zu funktionierenden Robotern. Mit dem Ziel der Vernichtung der anders Denkenden. So wird der Glaube zu dem Gegenteil verkehrt, für das er eigentlich spricht. Für die Liebe. Für das Recht zu Leben. 

Es ist so einfach: Menschen wird ein Feindbild vermittelt. Seien es die Ausländer, die eine Bedrohung darstellen sollen, seien es die Flüchtlinge. Seien es die Anhänger einer Religion. Oder wer auch immer. Dieses Feindbild wird geschürt. Menschen fühlen sich im Recht, das eigene Sein vor einer Bedrohung zu schützen. Wenn man genauer hinschaut, sagt, das es gar keine wirkliche Bedrohung gibt, wird man auch zum Feind gestempelt. Dieses Denken radikalisiert den Menschen. Entweder man passt sich an, oder man verliert. Und macht den Menschen am Ende zu funktionierenden Marionetten von wenigen. Mit dem Ziel der Vernichtung der anders denkenden. Mit dem Ziel der Maximierung der eigenen Macht durch Zerstörung.

Es fängt klein an.

Zerstörungen erzeugen Wunden und Verletzungen. Wie schwer muss das Trauma wiegen. Aus vergangener Zeit. Die nicht vergangen ist. Aus der Kindheit, der Jugend. Tiefe Verletzungen, die andere angerichtet haben, durch ihr Sein, ihre Gewalt, ihrer fehlenden Liebe, ihrer Unterdrückung. Sie haben die Seele gebrochen, in der Einsamkeit. Sie haben die Persönlichkeit, das Selbstwertgefühl zerstört. Daran zu tragen ist schwer. Unvorstellbar schwer. Das Trauma sollte irgendwann bearbeitet werden. Dann rückt es vielleicht etwas in den Hintergrund. Und Gegengewichte der Gegenwart bilden sich. Persönlichkeit entwickelt und festigt sich. Und dennoch kann was geschehen, dass das Trauma wieder wachruft. Hier bin ich. Dann ist es wieder da. Und so zeigt sich, ob es bearbeitet wurde. Ob es erkannt und angenommen ist. In dem, wie damit umgegangen wird. Mit den Ereignissen, die das Trauma wachrufen. Ist die Frage beantwortet, warum verletzen mich die Ereignisse, was steckt wirklich dahinter? Was kommt da an verdrängten Schmerzen hoch? Was wird auf andere projiziert? Wenn es nicht bewältigt wurde, das Trauma, wenn es nur versteckt war hinter Masken, verdrängt war, dann entwickelt sich daraus vielleicht eine zerstörerische Energie. Dann leben die Verletzungen, die andere begangen, haben weiter. Zerstören weiter. Unschuldige werden verletzt. So werden Opfer zu Tätern. Die Kraft der Liebe auf der einen Seite, hat es schwer, gegen der Kraft des Hasses, der Zerstörung zu bestehen. Das ist der Kreislauf der Zerstörung. 

Es gibt Menschen, die zerstören ihre Beziehungen. Mit einer inneren Aggressivität leben sie ihr Leben. Einen Hass, der sich auf andere richtet. Eine Wut, die immer wieder ausbricht, in einem impulsiven Handeln. Das ist schwer auszuhalten, vom gegenüber, weil es oft ungerecht wird. Bei manchen Menschen richtet sich diese innere Aggressivität auch auf die eigene Person, sie zerstört den Menschen selbst, bis hin zum eigenen Tod. Wir Menschen brauchen Hilfe, um zu erkennen, wo die Wurzeln dieser inneren Aggressivität liegen, und um Wege zu finden, mit dieser Wut umzugehen, damit sie ihre zerstörerische Kraft für das eigene Sein, und für das anderer Menschen, mindert. 

Aber können wir uns helfen lassen? Es ist schwer, weil wir dies als Notwendigkeit erkennen müssten. Die eigene Aggressivität. Die innere Aggressivität gibt ja auch Kraft, sich zu behaupten. Wir sind aufgewachsen, sozialisiert in dieser Gesellschaft. Wir haben unsere Wahrheit gefunden, unsere eigene Lebensanschauung. Wir sind geprägt. Wir haben Muster gebildet, um uns zu schützen. Sei es der Rückzug in uns, weg von anderen. Sei es dem aus dem Weg gehen von Konflikten. Sei es die Aggressivität. Die Aggressivität ist als ein notwendiger Schutz entstanden, als Gegenwehr, um sich der Aggressivität anderer Menschen nicht auszuliefern. Die Ursachen sind zu verstehen, aber sie rechtfertigen nicht das Handeln eines erwachsenen Menschen. Denn der Mensch ist ein denkendes Wesen, von dem man erwarten kann, dass er lernt, sein Leben so zu leben, dass kein anderes Leben unter ihm leiden. 

Das hört sich einfach an. Das Schwere ist die Erkenntnis. Weil, zur Erkenntnis muss man sich selbst anschauen, bis tief in die Seele. Man muß sich bewegen, hinterfragen. Man darf sich nicht alleine als Mittelpunkt der Welt sehen. Man muß sich zurück nehmen, in sich herein hören, sich fühlen, sich spüren, sich selbst akzeptieren, sich, seine eigene Einstellung zu sich selbst, sein eigenes handeln, seine Art zu Leben, sein Sein, überdenken. Man muß sich seiner Angst stellen, sie auch annehmen, als ein Teil seiner selbst. Man muß sich und anderen zuhören lernen. Man muß Abstand gewinnen, wenn es sein muß, weiter gehen und andere verlassen, wenn man merkt, dass Lebenswege auseinander gehen. Man muß unterscheiden, was sind die Anforderungen anderer, aus ihrer Sicht, was ist wirklich. Man muß ehrlich zu sich selbst sein. Man muß manches auch einfach so sein lassen, annehmen. Man muß auf dem Weg sein, leben, lachen. Man muß auch ausruhen, sich entspannen, sich ablenken, schöne Dinge machen, Lieblingsorte finden. Man muß sein inneres Gleichgewicht finden.

Das ist dann ja nicht immer leicht auszuhalten, was wir dann sehen. Da ist es dann doch einfacher, weniger genau hin zu sehen, zu sublimieren, andere verantwortlich zu machen, anderen Schuld zuweisen, und sich selbst hinter einer Maske zu verstecken. Der Mensch neigt dazu, den einfachen Weg zu gehen. Das ist auch verständlich, denn wer möchte sich von seiner verletzlichen Seite zeigen, vor sich selbst vielleicht, aber weniger vor anderen. Wir bewerten doch alles, und verletzt sein ist schlecht. Und schlecht wollen wir nicht sein, lieber stark. Nur der Starke überlebt, so lehrt, so lernt es die Menschheit. Und schon beißt sich die Katze in den Schwanz. Stärke braucht auch eine gewisse Aggressivität, um sich durchsetzen zu können. 

Wie können wir diesem Kreislauf entkommen? Im Gemeinsam. Wir müssen mutig sein, alle Wertungen zu hinterfragen und annehmen, was ist. Warum ist es verpönt sich schwach nach außen zu zeigen? Warum können wir es nicht, als eine Seite von uns, annehmen, leben? Tränen dürfen doch sein. Wut darf auch sein, als Ausdruck des Seins. Eine laute Stimme darf erhoben werden, um heraus zu lassen, was in uns ist. Um es zu befreien. Um uns zu befreien. Alles darf sein. Aber es darf nicht gegen andere gerichtet werden, ungerecht sein. Und hier liegt das Problem. Denn wenn wir alles aus uns heraus lassen, um uns zu befreien, so kann das bei anderen auf Unverständnis treffen, sie verletzen, weil es ihnen einen Spiegel vorhält. Sie dies vielleicht überfordert. Oder sie sich angegriffen fühlen. Weil sie, wie so viele, wie die meisten, es bewerten und auf sich selbst beziehen. Wir tragen so viele Verletzungen der Seele in uns. Die es, das Leben, so schwer machen. 

Dabei suchen wir Sicherheit. Dabei wollen wir uns manchmal doch einfach nur fallen lassen dürfen, wie ein Kind in die Arme seiner Eltern. Und aufgefangen werden. Zu wissen, da ist einer, wie eine Mutter, wie ein Vater, der uns auffangen will und kann. Dieses Grundvertrauen ist unsere Sehnsucht. Und wenn wir es zu wenig erfahren haben, dann macht es uns unsicher, verantwortungslos, wir suchen es dann in anderen Dingen, tauschen es aus durch funktionieren, durch Äusserlichkeiten, durch verdrängen und bewerten, und durch das Erringen von Macht über andere. Bringe eine Leistung und du bist gut. Du wirst gebraucht. Sei stark. Dann brauchst du weniger die Geborgenheit der Liebe zu suchen, du findest deine Geborgenheit  in deiner Stärke. Dieser Gedanke klingt gut. Nur der Weg ist es nicht, wenn sich die Stärke als vernichtende Kraft gegen und selbst und gegen andere wendet. Alles hat mehrere Seiten. Alles kann auch gut sein, ist gut, wenn es nicht in Zerstörung endet, sondern wenn es verantwortlich, im miteinander, gelebt wird. 

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