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Daran kann er sich nicht erinnern, er weiß es nicht, als ob es gestern gewesen wäre: Er kam zwei Monate zu früh auf die Welt. „Hieltest du es nicht mehr aus, im Bauch deiner Mutter?“, habe ich ihn gefragt.

Wer weiß. So musste er mehrere Monate im Kinderkrankenhaus aufgepäppelt werden. Sein Vater brachte jeden Tag die abgepumpte Muttermilch, aber das kann Zärtlichkeit, Wärme und Nähe nicht ersetzen. 

Oft war seine junge Mutter krank oder wieder schwanger. Welche Seele hält das aus, und findet dabei noch die Kraft, eine Liebe geben Könnende zu sein? Ohne als Frau die Schuld zugesprochen zu bekommen, ließ sich das damals schwer ändern. Keiner kann ihr Vorwürfe machen, die Zeiten waren eben so. Es brauchte etwas später die Studentenrevolution, für einen Anfang, die Gesellschaft etwas zu ändern. Und, neben der Macht seines Vaters, war es die Liebe einer Mutter, ihre Verantwortung, ihre Fürsorge, die ihr den Mut gab, die Kinder nicht zu verlassen. 

Sein Vater war kein Kind von Traurigkeit. Vielleicht war es die Traurigkeit in der Hilflosigkeit seiner Mutter, schon ein Neugeborenes fühlt intuitiv. Als er klein war, war er sehr weinerlich. Heul nicht immer, sei kein Waschlappen, sagte sein Vater zu ihm. Er war anders, schon als kleiner Bub. Keiner hörte seine Signale.

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