Warum können wir Menschen, die in Not sind, die verfolgt werden, die eine Heimat verloren haben, deren Leben bedroht ist, die aus Krieg und Elend flüchten müssen, warum können wir diese Menschen nicht einfach und vorbehaltlos aufnehmen? Was spricht dagegen? Warum müssen wir unbedingt die Zahl der Flüchtlinge, die zu uns kommen müssen, begrenzen? Warum müssen wir die Flüchtlinge in Lagern ghettoisieren? Warum können wir ihnen nicht ein erträgliches Leben ermöglichen, sie finanziell unterstützen, ihnen die Möglichkeit bieten, sich bei uns einzuleben, die Sprache zu lernen, sich aufgehoben zu fühlen? Warum erlauben wir ihnen nicht vorbehaltlos den Nachzug ihrer Familien? Warum überhaupt müssen wir das Alter von Kindern medizinisch überprüfen, warum können wir ihnen nicht einfach glauben? Warum müssen wir unser Land schützen, vor mehr Einwanderer, vor anderen Menschen, die eine Zuflucht suchen, egal aus welchen Gründen? Warum können wir nicht begreifen, dass wir alle in einer einzigen, globalen Welt leben, nur eine Erde haben, und nur ein Leben, und das allen dieses Recht zu Leben zusteht.

Ich verstehe das nicht.Wir Deutsche haben es doch erlebt, im Krieg, nach dem Krieg, was es bedeutet, Flüchtling zu sein. Aber das liegt ja schon einige Generationen zurück, verschwindet aus dem kollektiven Bewusstsein. Wir können es nicht erinnern. Das, was wir nicht selbst erfahren, was wir nicht selbst erleben, können wir das nicht nachvollziehen, können wir uns als Menschen da nicht einfühlen? Wo ist unsere gesellschaftliche Empathiefähigkeit?

Warum fühlen wir uns bedroht? Von anderen Menschen, von anderen religiösen Weltanschauungen, von anderen Kulturen, von anderen? Weil es fremd ist, weil dieses Fremde uns vielleicht Angst macht, weil wir das Fremde bewerten, vergleichen und weil eine Bewertung, ein Vergleich, immer auch bedeutet, dass wir damit „schlechter“ abschneiden könnten? Warum müssen wir in diesen Schubladen denken? Alles einordnen und beurteilen? Warum können wir es nicht einfach nur zulassen? Als Bereicherung, als das Andere, das zu einem gemeinsam werden könnte?

Warum ist das so, ich verstehe es nicht.

Warum fühlen wir uns bedroht? Wir gehen italienisch essen. Fahren weit weg in den Urlaub. Sonnen uns auf Hawai, genießen es in Indien. Wir kaufen chinesische Kaffeemaschinen. Die Welt ist verwoben, wir sind nicht abgeschottet. Aber dieses Reisen, dieser Konsum, ist nur Ausdruck einer Doppelmoral. Den wir nutzen es zu unserer Entspannung. Wir brauchen es für unsere Lebensqualität. Aber es geht uns dabei weniger um die anderen. Es geht am Ende darum, unseren eigenen Reichtum auf Kosten der anderen zu vermehren. Dafür gehen Menschen über Leichen.

Warum fühlen wir uns bedroht? Unseren Reichtum? Was haben wir weniger, wenn wir anderen Menschen etwas von dem geben? Warum sehen wir nicht, was wir auch bekommen, von diesen anderen Menschen? Was sie uns geben? Vielleicht ein Lächeln als Danke. Einen guten Gedanken für den, der gab? Und was wird später sein? Wenn die Menschen bei uns eine neue Heimat gefunden haben, wenn sie, mir ihrer Arbeit, zu aller Wohl beitragen? Warum können wir nur im kurzfristigen „Jetzt“ denken, nicht aus der Vergangenheit lernen, nicht für zukünftige Generationen verantwortungsvoll leben?

Warum, ich verstehe es nicht.

Warum fühlen wir uns bedroht? Frauen könnten von den anderen vergewaltigt werden. Wir werden vielleicht bestohlen von den anderen. Ja leider, sowas passiert. Aber das liegt nicht an den anderen per se. Schlechte Menschen gibt es überall, in jeder Gruppe, in jedem Land. Genauso unter uns Deutschen wie unter den Eskimos. Menschen mit Macht nutzen diese aus, bedrohen andere, vergewaltigen Frauen. Weil sie meinen, in ihrer Macht sich alles leisten zu können. Menschen ohne Macht bedrohen andere, vergewaltigen. Keine Ahnung warum, vielleicht, weil sie sich so mächtiger fühlen, wenn sie andere erniedrigen. Wir werden diese Probleme nicht lösen, indem wir uns abgrenzen, isolieren, andere Menschen nicht zu uns lassen oder vertreiben. Wir können das Schlechte nur bekämpfen, indem wir diesem das Gute entgegensetzen, das heißt, die Ursachen angehen, wie die Armut, wie das kapitalistische Denken in Leistung und Gewinnorientierung, das unweigerlich Neid und Gier mit sich bringen.

Warum machen wir das nicht, ich verstehe es nicht.

Warum sehen wir nicht, dass alle Probleme, die die Menschen haben, sei es die Gewalt des Bösen, der Machtmissbrauch, die Ungleichbehandlung, die fehlende Gleichberechtigung, die Naturzerstörung, die Gewalt gegenüber Frauen, gegen Minderheiten, die Flüchtlingsströme, das antisemitische, nationalistische Denken, und so weiter, und so fort, dass alle dieses eine einfache Ursache hat: Menschen wollen Macht. Sind süchtig nach Macht. Gierig nach mehr und immer mehr Macht. Wollen mehr als andere. Wollen nur solange ein Miteinander, solange sie dadurch einen Gewinn für sich haben, wollen immer mehr, je mehr sie haben, sich einmalig fühlen, unzerstörbar, unsterblich sein. Wie ein Gott. Ist das der Kern, die Seele des Menschen, so zu sein?

Ist das so, ich verstehe es nicht.

Ich verstehe nicht, warum es keine große gesellschaftliche Bewegung gibt, die all das hinterfragt, die es anders machen will, mit aller Kraft, die nicht süchtig nach Macht ist, sondern auf der Suche nach dem Glück, die den einzelnen, individuellen Menschen sieht, eingebettet als Teil der Natur. Die das Besondere in jedem Sein, in jedem Leben, sieht und die das gemeinsame achtet, die der Verantwortung verpflichtet ist, der Verantwortung, die es uns allen ermöglichen wird, einfach und wirklich glücklich zu sein, zu leben. Jetzt und in Zukunft.

Ich verstehe es nicht.

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