Tulpen im Garten

„DAS ERSTE GEBOT Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.

Was ist das? Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“ (Quelle: https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/wir-fuer-sie/sie-persoenlich/zehn-gebote)

Ist ein Glaube, der ein Weltbild wie die 10 Gebote formuliert, in der heutigen Zeit nicht sehr weltfremd? Sollten wir in unseren Zeitalter nur einen einzelnen, einen Herren, einen Gott, wirklich als alleinigen über alle anderen anerkennen? Das widerspricht doch jedem Demokratiegedanken! Denn daraus leiten die Menschen ab, dass es Herrscher und damit auch Beherrschte gibt. Schon in diesem Gebot sehe ich den Keim dafür, der vorgibt, wie wir Menschen leben sollen. Und womit jede Herrschaft als Gott dienlich gepriesen werden kann. Im Namen Gottes ist alles möglich, ich handle in seinem Namen, das rechtfertigt meine Macht. Liebe und Vertrauen sollen Sicherheit vermitteln, aber Furcht und Angst zu schüren, sind Mittel der Unterdrückung. Ist das der richtige Weg in der Zeit der Krisen?

Die Würde des Menschen

Das Sozialsystem federt Menschen in Not genügend ab, heißt es in unserer Gesellschaft. Du bist doch selber Schuld, ist die weitverbreitete Meinung. Aber wie fühlt sich ein Mensch, der Hartz IV beantragen muss, der Grundsicherung braucht und sich hierfür rechtfertigen muss. Der bestraft wird, wenn er sich nicht genügend um Arbeit kümmert. Und bestraft heißt, dass noch weniger als wenig Geld zur Verfügung hat. Der gezwungen ist, seine Nahrung bei ehrenamtlichen Initiativen zu organisieren. Der vielleicht gar nicht in der Lage ist, dem die Kraft dafür fehlt, sich um soziale Leistungen zu kümmern. Der seinen Kindern kein Sportverein, keine Kultur wie Theater oder Kino, keine Kinderbücher, keine Reisen bieten kann. Der obdachlos wird. Oder der im Rentenalter, nach einem Leben voller Arbeit, dennoch nicht genügend Rente bekommt und jeden Pfennig dreimal umdrehen muss. Wollen wir, dass Menschen wie du und ich, ihre Würde als Mensch verlieren? 

Fehlende Gerechtigkeit

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die im Wirtschaftssystem geregelte Festlegung von Preisen für Güter. Wesentliche Faktoren hierfür sind Angebot, Nachfrage, und die Produktionskosten, nicht unerheblich ist die Gewinnspanne. Wobei oft noch nicht mal die Produktionskosten für den Hersteller gesichert sind, wenn zum Beispiel ein Handelskonzern wie Aldi die Milchpreise unter die Kosten für die Landwirtschaft drückt. Hier muss dann der Staat mit Subventionen helfen. Das heißt, das Wirtschaftssystem ist nicht gerecht, es wird in der Hauptsache von der Macht großer Konzerne bestimmt, die die Regeln bis hinein in die Politik – Stichwort Lobbyismus – diktieren. Wollen wir Menschen wirklich diese Ungerechtigkeit? 

Krisen unserer Zeit

Die Corona-Krise. Die Klimakatastrophe. Luftverschmutzung durch Industrie und Verkehr, Umweltverschmutzung und Zerstörung der Natur. Artensterben von Pflanzen, Tieren und Fischen durch Monokulturen und extensive Landwirtschaft und Fischwirtschaft. Unsere Krisen und Probleme sind unzählig. 

Einen fundamentalen Weg, den ich als Lösungsweg für mehr Gerechtigkeit, und aus den Krisen unserer Zeit, sehe, wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ich meine, ein Grundeinkommen ist die Basis dafür, einen grundlegenden Wertewandel in der Gesellschaft zu bewirken.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Jedem Menschen muss ein Einkommen zustehen. Besser gesagt, ein Auskommen. Denn jeder Mensch, jedes Leben ist wertvoll. Der Staat ist dafür da, die Menschen der Gemeinschaft zu versorgen. Nicht umgekehrt. Wir Menschen sind nicht in der Pflicht ein Staatswesen zu unterstützen, dass nicht allen Menschen, sondern dem  Herrscher, der Macht des Oberhaupts, dient.

Argumente gegen das bedingungslose Grundeinkommen

Was spricht gegen ein bedingungsloses Grundauskommen? Wer macht dann noch eine gering bezahlte Arbeit, da man auch ohne Arbeit sein Auskommen hat? Solange wir den Wert darin bemessen, was am Ende im Portemonnaie ist, wird das ein Problem sein. Wenn wir den Wert der Arbeit aber darin sehen würden, was die Arbeit für die Gemeinschaft an Gutes bringen kann, sähe das schon anders aus. 

Es geht um Arbeitsplätze

Dieses Wirtschaftssystem dient der Machterhaltung und Gewinnmaximierung der Industrie, von der aber nur wenige Menschen wirklich etwas haben. Aber es geht doch um den Erhalt von Arbeitsplätzen, sagen die Vertreter dieses Systems. So wird es uns verkauft, so glauben wir es. Ein bedingungsloses Grundauskommen stellt dieses System auf den Kopf. Und das wird von der Industrie, der Wirtschaft bis hin zum Wirtschaftsjournalisten nicht gewollt, denn plötzlich müssten sich die Repräsentanten dieses Systems andere Möglichkeiten einfallen lassen, Menschen zur Arbeit zu motivieren.

Bewertungsmaßstab finden

Aus der Sicht der Wirtschaft spricht vieles gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Denn dann wird es unwichtiger, was man verdient. Aus dieser Sicht fehlt ein Anreiz zu arbeiten. Oder besser gesagt, sich ausbeuten zu lassen. Das Wirtschaftssystem ist aber schuld an der Misere, in der sich die Menschen, und noch schlimmer, der Planet befindet. Ist es daher gut, das Wirtschaftssystem überhaupt als Bewertungsmaßstab zu nehmen, ob etwas, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, gut und geeignet ist, die Lebensverhältnisse aller Menschen grundlegend zu verbessern?

Argumente für das bedingungslose Grundeinkommen

Man könnte meinen, dass es Menschen gibt, die so viel Geld verdienen, dass sie das Grundeinkommen nicht benötigen. Aber auch diese Menschen würden damit entlastet werden. Und wer hindert uns daran, gerechte Regeln zu schaffen, die es ermöglichen, dass Menschen, mit mehr an Geld, sich auch mehr am Gemeinwohl beteiligen? Warum zahlt zum Beispiel Amazon keine Steuern in Deutschland?

Auch ein Künstler ist kreativ. Seine Arbeit ist kulturell wertvoll. Ein Dichter oder ein Maler, ein Schauspieler, alle haben ein Recht auf ihre Kreativität, ohne den Zwang damit Geld verdienen zu müssen, unabhängig vom Kunstmarkt und anderen Zwängen. Das wäre Freiheit.

Arbeit ist gut 

Tätigkeiten wie Kinder in der Familie erziehen, den Haushalt zu führen, sich in einem gemeinnützigen Verein zu engagieren, werden nicht bezahlt. Sie machen aber einen großen Anteil der Arbeit aus. Das ist ungerecht gegenüber der bezahlten Arbeit.

Wenn wir umdenken heißt das: Arbeit dient in erster Linie dazu, anderen Menschen etwas Gutes zu tun und einem selbst eine Aufgabe zu geben. Arbeit dient aber nicht dazu Geld zu verdienen. Wer Geld verdienen möchte, kann das. Aber er muss sich am Gemeinwohl in dem Maß beteiligen, in dem er mehr hat, als andere. 

Geld, mehr Geld ist besser

Viele Probleme rühren daher, dass wir in der Finanzwelt, an Börsen, Geld verdienen. Wir verleihen Geld oder kaufen Aktien. Dieses System ist in meinen Augen fraglich, da es nicht viel mit Arbeit zu tun hat. Hinter vielen Aktien, die gehandelt werden, steht kein angemessener Wert mehr von Dingen und Arbeit. Viel Geld wird damit verdient, dass Menschen spekulieren, im richtigen Moment Aktien kaufen oder verkaufen. Andere verdienen damit Geld, in dem sie „wetten“, was auf den Finanzmärkten passieren könnte. Von all dem haben nur Investoren etwas, die das Geld dafür haben. Es geht her, wie in einer Spielhalle am Flipperautomaten oder im Kasino am Roulettetisch. 

Ich denke, wir sollten neu festlegen, was Geld wirklich ist: ein Zahlungsmittel zum Tauschen. Wer Geld verleiht, bekommt dafür nichts. Wer arbeitet, wer einen Schuh herstellt, die Straße fegt oder Kindern in der Schule etwas beibringt, wer Kranke versorgt und heilt, der wird dafür bezahlt. Neben seinem Grundeinkommen. 

Mehr Gerechtigkeit 

Wer aber finanziert dann die neue Schuhfabrik, den Bau der Straßen, die Schulen und die Krankenhäuser, wenn wir den Geldverleih, die Finanzmärkte abschaffen? Das wäre dann Aufgabe der Gemeinschaft, also des Staates, der gewählten Vertreter. Für diese Arbeit würden wir alle sie bezahlt, aber nicht dafür, dass eine Schuhfabrik, ein Autokonzern oder wer auch immer Gewinne macht. Finanziert würde das über unsere Steuerabgaben, die wir tragen, weil alles dem Gemeinwesen zu Gute kommt, und nicht einem einzelnen. 

Mehr Solidarität

Ein Gemeinwesen, dass natürlich auch einen einzelnen in seiner Not, nicht alleine lässt, sondern jeden versorgt, unabhängig von dem, was er dem Staat „einbringt“. Hier muss unser Denken entkoppelt werden: Es geht nicht mehr um das Aufrechnen von dem, was einer macht und was er dafür bekommt. Sondern der Wert liegt darin, Bedingungen zu schaffen, die allen in der Gemeinschaft zu Gute kommen. Es geht nicht darum, die Gier die Macht und den Egoismus einzelner Menschen zu befriedigen, sondern darum, dass wir alle, gemeinsam, solidarisch, auf unserer Erde überleben können.

Wenn wir beginnen, das Wirtschaftssystem als Ganzes wirklich in Frage zu stellen und unser Handeln entsprechend zu ändern, dann müssen wir uns um Rezession oder Inflation keine Gedanken machen. Denn der Wert liegt nicht mehr im Bruttosozialprodukt oder anderer wirtschaftlicher Kennzahlen. Er liegt alleine daran, ob unser ökologisches System erhalten werden kann. Und alle Menschen das Recht haben, zu leben. 

Meine Werte

Meine Wertvorstellungen sind: Gemeinschaftliches denken und Leben, solidarisches Handeln ohne Egoismus und Machtspiele. Jeder Mensch hat das Recht zu leben, egal wo. Jedes Kind hat Rechte. Es darf als Kind aufwachsen, unversehrt in Seele und Körper. Es darf lernen und sich sein Wissen aneignen. Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Wert des Lebens aller Lebewesen steht über den Wert von hergestellten Dingen. Wirtschaftliches Handeln aus Gier nach mehr ist nach meinen Ideen nicht richtig. Der Wert einer Sache bemisst sich nicht an dem, was wir damit verdienen können, nicht mehr die Nachfrage bestimmt den Preis. Eine Sache hat den Wert, den ihre Herstellung kostet. Der Planet Erde ist unser Zuhause. Ihn gilt es zu erhalten und zu schützen. Ausbeutung und Zerstörung sind falsch. Unsere Handlung muss nachhaltig sein, eingebettet in dem Kreislauf des Lebens und Vergehens und ohne den Idealen des immerwährenden Wachstums.

Alles nur ein Traum eines Träumers

Aber seinen wir realistisch. Wir werden unser System nicht ändern, wenn Staaten wie die USA, China, Russland, Deutschland, Korea und so weiter, nicht mitmachen. Wenn die Herrscher nicht verstehen, dass es nicht mehr um „Wir sind die ersten“ gehen kann, oder darum, die besten Atomsprengköpfe zur Bedrohung anderer zu bauen. Der neue Palast des Staatspräsidenten ist nicht der Zweck, genauso wenig wie der Reichtum von Konzernen wie Google, Apple, Microsoft oder von Handelskonzernen wie Amazon und allen anderen großen Firmen. 

Auch eine Religion, ein Glaube, der als Machtwerkzeug zur Unterdrückung dient, werden die Gesellschaft nicht ändern, ebenso wenig wie Gewalt und Terror von Rechts oder Links. 

Wenn, dann müsste sich die Weltgemeinschaft friedlich zusammenschließen und als Ganzes überhaupt mal beginnen, etwas zu ändern, aber das scheint mir doch total utopisch.

Meine 10 Gebote

Wenn ich Luther wäre, würde ich neue 10 Gebote an die Kirchentür schlagen:

1. Es gibt keinen Gott, keinen Herrscher über alle

2. Unsere Erde ist unser Zuhause, das wir schützen und erhalten müssen

3. Die Macht einzelner Menschen oder Gruppen zu huldigen, ist falsch

4. Jedes Lebewesen hat das Recht auf Leben

5. Jeder Mensch hat das Recht, in der Gemeinschaft aller gleichberechtigt zu leben

6. Du darfst der Gemeinschaft dienen, sie ist wie deine Familie

7. Die Gemeinschaft dient dir, sie gibt dir, was du wirklich brauchst

8. Die Freiheit des einzelnen hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beeinträchtig wird

9. Entschleunige Dein Sein, du musst nichts, aber du darfst

10. Hab und Gut ist nichts wert, wenn es nicht allen zu Gute kommt

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