Nebel

Bin ich dir zu langweilig? Nein. Du bist ehrlich. Ohne Falschheit. Ohne Lüge. Du bist natürlich. Authentisch. Zärtlich. Voller Gefühle. Mit dir lebt eine Zeitlosigkeit. Ein Stillstehen der Uhren. Eine Offenheit. Ohne Maske. Ohne verstecken. Ein schöner Humor. Eine leise Person. Nichts Großes. Nichts, was immer mehr und immer größer werden muss. Was zufrieden sein kann. Mit dem was ist. Sensibel. Wahrnehmend. Verantwortung tragend. Nicht ohne Zweifel. Nicht ohne Angst. Manchmal auch verzweifelt. Auf dem Weg, zu begreifen. Das alles Leben bedeutet. Zum Leben gehört. Das Leben ausmacht.

Alles hat seine Zeit. Wenn wir es lassen. Wie es ist. Nicht verändern wollen. Was sich nicht von sich aus verändert. Das alles sein Wachsen hat. Sein Werden. Und sein Vergehen. Sein Ende. Das wir dieses Wachsen begleiten können. Helfen können, dass es gedeiht. In dem wir es sehen. Fördern. Aber das wir nicht erzwingen können, was nicht ist.

Das wir es annehmen. Was ist. Uns dem nicht ausliefern. Und nicht die Worte des anderen zu unseren eigenen machen. Uns nicht unterwerfen. Nicht unsere Freiheit, unseren Raum aufgeben. Das wir uns nicht über andere stellen. Das wir uns nicht über andere definieren. Was die Kinder leisten. Wie toll sie sind. Nicht über die Leistung finden, die uns andere abverlangen. Die Gesellschaft. Der Druck aus der Erwartung, die uns alle immer wieder vorspiegeln. Das musst du so machen. Ja aber. Du liegst dem Staat auf der Tasche. Jeder findet Arbeit, der will. Du bist selber Schuld. Du bist anders. Gehörst nicht zu uns. Wir verurteilen dich. Grenzen dich aus. Du gehörst nicht dazu. Das sagen wir immer und immer wieder. So lange. Bis du es glaubst. Oder bis du nicht mehr bist. Am Ende. Oder bis du funktionierst. Wie wir es wollen. Wie es richtig ist. Meinen wir.

Denn wenn wir so nicht denken. Wenn wir den Kick, das Adrenalin, den Schub, nicht mehr haben. Dann ist uns langweilig. Glauben wir. Oder wir suchen vergessen in Drogen. Weil wir überfordert sind. Uns vielleicht langweilig sein könnte. Und wir das nicht zugeben können. Vor anderen. Vor uns selbst. Weil nur Stärke zählt. Und nicht das vermeintlich Schwache. Weil wir alles bewerten. In Schubladen einordnen. Mit unseren Maßstab. Unfähig, über den eigenen Horizont zu schauen.

Weil wir es verlernen. Verlernt haben. Zu sehen. Zu hören. Zu fühlen. Mit allen Sinnen. Weil wir es verlernt haben. Zu sein. Die Sterne zu sehen. Weil es zu hell ist in der Nacht. Den Wind zu fühlen. Weil wir die Kälte nicht mehr ertragen. Keine Zeit mehr haben. Weil in fünf Minuten ein Termin ansteht. Und das Auto hat dreihundertzwanzig PS. Wer zählt die Kreuze an der Landstraße. Was ist denn ein Leben wert. Hauptsache. Wir haben alles. Und viel mehr. Und uns ist nicht langweilig.

Das dem nicht so ist. Wenn wir das lernen, das begreifen. Das die Schönheit im Leben liegt. In der Natur. Im Sein. Im Kind. In der Natürlichkeit. Ohne Maskerade. Im Normalen. Was nicht normal ist. Im Fühlen. Im Werden und Vergehen. Ohne im Korsett des gesellschaftlichen Denkens eingezwängt zu sein. Voller Vielfalt. Dann ist uns nicht langweilig. Nie.

Wie du. Ich liebe dich.

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