Zu Geburtstagen, zu Weihnachten, zu anderen Festtagen, ist es üblich, sich etwas zu schenken. Das ist etwas sehr Schönes. Manche Menschen schaffen es aber auch, mit Geschenken völlig daneben zu liegen. Da schenkt jemand einem 14 Jährigem Mädchen Schuhe, die schon länger im Schrank lagen, und ihren Fuß zu einem Klumpfuß verunstalten. Und Reizunterwäsche, die das junge Mädchen vielleicht vor allen Verwandten auspackt. Peinlicher, nicht nur für das Kind, geht es kaum. Oder man schenkt dem 15 Jahre alt werdenden Mädchen zum Geburtstag schon selbst geschenkt bekommende Pralinen, gefüllt mit Alkohol und Trüffeln. Oder eine alte Jacke, die einem selbst nicht mehr passt.

Diese Art Geschenke, so lieb wie sie gemeint sind, sie sehen nicht den Menschen, der beschenkt wird. Sie dienen meistens dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen und eine Notwendigkeit zu erfüllen.

Und praktisch für den Schenkenden ist es, sich so dem alten Kram zu entledigen, den keiner mehr braucht oder schön findet. Bei der Beschenkten hinterlassen diese Gaben aber wenig Freude, die Geschenke landen auf dem Müll und außerdem muss sie sich dafür auch noch bedanken. Das gehört sich ja so, es war doch so herzlich gemeint.

Abgerundet wird das, wenn die Geschenke noch nicht mal persönlich übergeben werden, sondern in Abwesenheit vor der Haustür abgelegt werden. Ohne Vorankündigung oder einer weiteren Nachricht. Schenken als Pflichtübung. Und ohne den Menschen wirklich zu sehen. Sich Zeit zu nehmen, für ihn. Zeit, um für ihn unterwegs zu sein, auf der Suche nach einem Geschenk. Zeit, um für ihn ein Geschenk zu kreieren. Zeit haben, füreinander. Zeit, ist ein sehr kostbares Geschenk. Und so einfach zu schenken.

Diese Art des Schenken ist aus der Sicht des Schenkenden zu verstehen. Er sieht auf sich, ihm geht es gut dabei. Er hat seine Pflicht erfüllt. Wirkliches Schenken aber geht anders. Echtes Schenken geht von einem selbst weg, versucht den Menschen, der das Geschenk bekommen soll, wahrzunehmen. Ihn glücklich zu machen. Indem man sich Gedanken macht, die das Geschenk ausdrücken. Zum Beispiel ein Buch, das man selbst gelesen hat und mag. Und von dem man denkt, es könnte den Beschenkten gefallen. Oder Fotos, nett eingerahmt und zusammen gestellt. Aber dazu muss man den anderen versuchen zu sehen, versuchen, sich in ihn herein zu versetzen, Zeit dafür haben. Dann ergeben sich die Geschenke oft von ganz alleine, Geschenke, die Freude machen, Geschenke, die man brauchen kann.

Natürlich kann man auch Geld schenken, wenn man keine Idee hat. Dann kauft sich der Beschenkte etwas, in Gedanken an den Schenkenden. Das ist immer eine gute Idee, sie sollte in diesem Fall aber auch im Mittelpunkt stehen und nicht mit unpersönlichen Geschenken, aus dem Fundus des Schenkenden, verdorben werden. Weniger ist mehr. Weniger ist ehrlicher.

Ich schenke lieber gar nichts, wenn mir nichts einfällt.

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