Überall begegnen wir ihr: Der Lüge. In uns selbst. Geben wir immer gegenüber uns zu, vor uns selbst, wer wir sind, was uns treibt, was wir lieben und was wir hassen, sehen wir uns immer wieder selber in die Augen? Richten wir unser Leben darauf aus, auf die Wahrheit? Entspricht das Bild, das wir von uns anderen Menschen zeigen, der absoluten Wahrheit? Oder verschweigt es Dinge von uns, ist es gar ein Zerrbild, ein Lügenbild, weil es uns besser erscheinen lässt, als wir sind, weil wir uns selbst nicht ehrlich sehen wollen oder können? Wer in die Tiefe der eigenen Seele blicken will, der eigenen Lebenslüge ins Gesicht, braucht, bei jedem Schritt auf seinem Weg, immer neu Ehrlichkeit, Mut und Kraft.

Und in anderen treffen wir die Lüge. In den Worten der Politiker zum Beispiel. Sagen sie uns alles, sagen sie uns die Wahrheit, darüber wie wenig Macht sie wirklich haben zu regieren, ja regieren sie uns überhaupt oder reagieren sie uns nur?

Aber gibt es das überhaupt, die „absolute“ Wahrheit? Jeder Mensch kann seine eigene, seine relative Wahrheit haben, aus seiner persönlichen Erfahrung heraus.

Was heute wahr in den Augen der Menschen ist, kann doch morgen schon falsch sein. Und manches wird als Wahrheit verkauft, viele glauben es, und plötzlich wird aus dem Wahrheitsverkünder ein Lügner.

Unsere Kinder lügen, weil sie Angst haben, weil sie ihren Fehler nicht sehen können oder wollen, weil es einfacher ist, der leichtere Weg, weil sie etwas erreichen wollen, sei es ein Spielzeug, etwas mehr Freiheit. Es gibt noch tausende Gründe. So lernen schon unsere Kinder lügen.

Warum brauchen wir die Wahrheit? Wie anders soll man vertrauen? Vertrauen finden in anderen, Vertrauen in sich selbst? Ein stabiles Selbstvertrauen kann doch nur der entwickeln, der sich selbst vertraut, der sich kennt, seine Möglichkeiten, seine Ressourcen, seine Grenzen einschätzen kann. Wer auch seine Ängste hört, seiner inneren Liebe folgt.

Wer kann vertrauen, wenn er aus einem Mund Unwahrheiten hört, oder, noch schlimmer, wenn er Lügen für Wahrheiten hält, bis sich diese entlarven.

Vertrauen ist aber notwendig für ein Zusammenleben in der Gemeinschaft. Keiner findet eine Arbeit, einen Job, wenn ihm nicht vertraut wird. Keiner findet eine Liebe, die einen mit durchs Leben trägt, wenn sich die Partner nicht vertrauen können. Im Wort Trauung, wenn zwei Menschen heiraten, steckt das Wort Vertrauen.

Wie alles, auch eine Lüge kann notwendig sein, wenn sie schützt, vor einer zwar richtigen aber schmerzhaften Wahrheit, zum Beispiel. Wer sich aber kennt, braucht der diesen Schutz? Nicht unbedingt, aber nicht jeder ist stark, verkraftet die Wahrheit. So müssen wir manchmal die Lüge zulassen, in der Not, als Notlüge, sie ist auch ein Schutz, auch ein Schild für die eigene Seele.

Darum müssen wir auch jede Lüge bewerten und einordnen, aber wir können der Lüge nur mit Wahrheit begegnen.

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