Wahrheit – Gleichberechtigung – Verantwortung

Damit sich etwas ändert. Warum soll sich etwas ändern, könntest du mich fragen. Ganz persönlich: Weil es mich aufregt, wie es ist. Ich sehe aus dem Fenster und mich nervt der Stau auf der nahen Autobahn, der viele Verkehr, selbst an einem Sonntag. Sehr beunruhigen mich die Nachrichten. Mir setzt der Rassismus zu, der nur funktioniert, weil wir Lügen glauben schenken. Unserer „Soziale Marktwirtschaft“, beruhend auf Wachstum, halte ich für ein großes Problem. Mich sorgt es, dass wir die Natur viel zu wenig schützen. Ich bin fassungslos wegen der Klimakatastrophe, die wir Menschen innerhalb wenigen Hunderten Jahren, einen Wimpernschlag der Erdgeschichte, verursacht haben. Ich bin entsetzt über die Lügner unserer Zeit. Ich bin wütend, weil sich der Mensch, insbesondere der Mann, als Herrscher über alles, wirklich jedes, erhoben hat. Jetzt höre ich lieber auf, sonst fange ich an zu heulen.

Wir schreiben das Jahr 2022 nach Christi Geburt. Im Bundesstaat Missouri in den USA wird die Prügelstrafe mit Holzbrett in Schulen wieder eingeführt. https://www.fr.de/panorama/usa-pruegelstrafe-schule-cassville-missouri-kinder-eltern-koerperliche-zuechtigung-zr-91749774.html

Eine Erziehung, die Gewalt einsetzt, vermittelt, dass Gewalt eine „gute“ Möglichkeit ist, Menschen gefügig zu machen. Das ist fatal. Denn wir vermitteln damit Aggressivität als richtig, Züchtigung als geeignet. So kann die Spirale der Gewalt nie enden. 

Die große Gefahr ist, dass wir das, was wir als Kinder erfahren haben, als Erwachsener weiter geben. Denn es hat uns ja nicht geschadet. Glauben wir. Aber es hat uns Schaden zugefügt, es hat uns gegebenenfalls zu einen Menschen gemacht, der seine Gewalt, seine Rücksichtslosigkeit als Machtmittel einsetzt, um andere Menschen zu unterdrücken. So geht es weiter von Generation zu Generation. Und nichts ändert sich. Bis hin zu Kriegen, die Menschen als Werkzeug missbrauchen und Millionen Opfer fordern. 

Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen wir aus alten Mustern ausbrechen, ist es erforderlich, dass wir es anders machen. Denn wir lernen sehr viel durch Imitation. Wir müssen also anders leben, anders anderen etwas vorleben, damit sich etwas wirklich ändern kann. Wir Menschen haben keine andere Wahl, als uns selbst zu erziehen, anders zu denken, damit es anders wird.

Hierbei ist es notwendig, bei unseren Kindern, in der Erziehung, bei den Rechten unserer Kinder, anzufangen. „… es bleibt noch viel zu tun, um die Rechte der Kinder in wirklich allen Lebensbereichen vollumfänglich durchzusetzen. Ein wichtiges Zeichen wird die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz sein, wenn es denn endlich soweit sein wird.“ https://www.kinderrechte.de/kinderrechte/30-jahre-kinderrechte/

Auch in Deutschland mangelt es an der Regelung und Durchsetzung der Kinderrechte. Wenn beispielsweise das Spielen der Kinder draußen stört, der Rasen zwischen den Häusern nicht als Spielfläche dient, sondern dazu den Raum optisch zu gliedern und sich in einer Wohnanlage nur eine Person zu beschweren braucht, und schon ein weiteres Verbot erfolgen kann, so wirft das doch einen sehr traurigen Blick auf die Menschen in Deutschland und auf die Rechte der Kinder. Und jedes Verbot wird genau das festigen, denn es bürgert sich sozusagen ein, indem wir genau dieses Denken weiter denken und manifestieren.

Jede sich selbst erfüllende Prophezeiung beweist sich selbst. Anders wird es nur, wenn wir anfangen, die Sichtweisen wenigstens zu hinterfragen, und bereit sind, Ansichten über Bord zu werfen, anfangen, beginnen, es anders zu machen. Wie Kinder.

Verantwortung tragen ist schwer. Es wird einfacher, wenn wir die Verantwortung teilen, und das unsere Kinder lernen, was Verantwortung bedeutet. Das flügge werden bedeutet, mehr und mehr verantwortlich zu werden. Deswegen müssen sich Kinder viel mehr wertgeschätzt fühlen, als Menschen, die sie sind und werden, und nicht als Instrument irgendwelcher Erwachsenen. 

Muten wir Kindern nicht zu viel zu, magst du dich fragen. Aber Kinder haben doch kaum Wissen und Erfahrungen, auf die sie zurückgreifen können. Und wohin führen uns Erwachsene unsere Erfahrungen? Kinder sind Entdecker, die die Welt als neu erleben. Hiervon können wir Erwachsene uns sehr viel abschauen, oder anders gesagt, wir sollten diese Fähigkeit der Kinder immer versuchen zu bewahren. Denn wenn wir etwas erforschen, dann bleiben wir offen (wenn wir das Ergebnis nicht vorwegnehmen).

Wir tragen Verantwortung für das Leben in der Zukunft, das Leben unserer Kinder. Hier ein Gleichgewicht zu finden, zwischen der Erlaubnis, die Welt, auch mit ihren Gefahren, zu entdecken, und der Schutzschirm, der Kinder behütet, ist die Aufgabe der Erziehung.

Aber etwas ändern heißt, dass wir gefordert sind, unserer eigenen Vorteile zu hinterfragen und anfangen auch verzichten zu lernen. Verzicht üben müssen macht vieles sehr schwer, für uns Menschen, insbesondere wegen unserem auf „Besitz“ beruhenden Weltbild. Wir denken zu oft, dass wir das sind, was wir haben.

Jeder hat schon mal gelogen, vielleicht als Kind aus Angst vor Folgen oder um ein Verbot zu umgehen. Oder eine Notlüge, weil die Wahrheit noch schwerer zu ertragen wäre. Nichts ist nur schwarz-weiß. Aber die Menschen lügen nicht selten, um einen eigenen Vorteil zu gewinnen, aus egoistischen Motiven, aus dem Grund, andere zu beeinflussen und selber mächtiger zu werden oder zu bleiben.

In diesen Lügen sehe ich einen Hauptgrund, warum die Welt so ist, wie sie ist. Wir lügen, dass es Hexen gibt, irgendeiner glaubt es, und schon brennt die erste Frau. Wir lügen, dass ein farbiger Mensch eine Krankheit verbreitet, die für uns weiße Menschen gefährlich ist, wenn er eine Toilette besucht, ein erster glaubt es, und der Rassismus geht weiter. Einer lügt, dass Deutschland von Polen angegriffen wird, und der 2. Weltkrieg ist entfacht. Lügen stellen die Wahrheit auf den Kopf, aber es gibt immer einen, der darin einen Vorteil sieht. Und einen, der die Lüge glaubt und verbreitet. Das ist gefährlich, denn es manipuliert unsere Handlungen.

Wenn wir die Lügen bekämpfen, so ist das auch ein wichtiger Schritt, um den Rassismus zu besiegen. Und ein weiterer, für mehr Gleichberechtigung. Mehr den je sollten wir uns der Wahrheit verpflichten.

Zunehmend sind wir abhängig. Wenn der Strom ausfällt, längere Zeit, dann werden wir in die Steinzeit zurück katapultiert. Nichts geht mehr. Noch nicht einmal so ein Telefon, das vor noch nicht allzu langer Zeit mechanisch funktionierte. Aber das war nicht mehr zeitgemäß. Wir sind abhängig, ohne Strom geht in unserer so fortschrittlichen zivilisierten Welt gar nichts. Genauso wenig wie ohne Wasser und ohne Nahrung.

Wer hätte das gedacht, in allem, von dem wir abhängig sind, finden andere einen Nutzen in dieser Abhängigkeit. Und damit wird Abhängigkeit ein Mittel der Macht. Und ein Problem, dass schwer aufzulösen sein wird, weil wir eben abhängig sind. Jeder Raucher, jeder Trinker oder Drogenkonsument erfährt das (und das Schlimmste: Viele können es in ihrer Sucht nicht einmal begreifen).

Abhängigkeiten und Lügen entfalten ihre Kraft dann, wenn es mehr und mehr Menschen werden, die sie verbreiten. Eine Lüge verpufft, wenn sie keiner glaubt. Nach diesem Prinzip müssen wir also das Gegenteil, die Wahrheit und die Unabhängigkeiten verbreiten, damit sie an Kraft gewinnen. Und das beginnt bei den Kindern, in der Erziehung. Das fängt bei der Bildung an, bei der Wissensvermittlung. 

Auch wenn genau das die Mächtigen der Welt nicht wollen, denn sie würden sich als Verlierer fühlen. Aber das auch nur so lange, wie sie nicht entdecken, dass es um etwas andere geht als um materiellen Besitz und Macht über andere.

Wir können nicht alles wissen. Wir können auch nicht jede Lüge als Unwahrheit durchschauen. Aber wir können beginnen, einfach sehr viel bewusster mit dem umzugehen, was wir glauben zu wissen. Wir müssen das gemeinsam, die Solidarität in den Vordergrund stellen, denn alleine schafft es keiner. 

Und hier schließt sich der Kreis meines Denkens: Wenn es mehr und mehr wird, wird es andere anstecken, dann wird sich etwas ändern. Lügen und Vorurteile funktionieren so, warum nicht endlich auch die Wahrheit. Und das beginnt bei unseren Kindern und ihren Rechten. Es ist unverzichtbar, wieder die Wahrheit als Wert der Gesellschaft zu schätzen, damit unsere Kinder das lernen. Denn wir Erwachsene sind die Vorbilder unserer Kinder. Oder sollten es sein.

Wir sollten uns aus Abhängigkeiten, als das Mittel der Macht, lösen und vermeintlichen Fortschritt immer wieder hinterfragen. Eine vollständige Unabhängigkeit kann es nicht geben. Wie gesagt, wir sind abhängig von essen, von Wasser (außer wir glauben an Licht als Nahrung, aber das geht nicht lange gut. So ist es mit Lügen). Abhängig sein bedeutet den Verlust der Freiheit. Ein bisschen weniger Abhängigkeit führt zu ein bisschen mehr Freiheit.

Ein weiteres ist, dass wir begreifen, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Das wir verantwortlich sind. Wie eine Mutter, ein Vater für ihre Kinder, so sind wir in der Schuld mit unseren handeln verantwortlich zu sein, für alle und alles, welche durch unsere Taten betroffen sind oder werden. Von dieser Schuld kann uns keine Beichte und kein Gesetz freisprechen. Sondern alleine die Art und Weise, wie wir leben. 

Der Leitspruch der folgenreichen Französischen Revolution (1789 bis 1799), mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, war Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Angepasst an die heutige Zeit bedeutet das: Freiheit hört dort auf, wo sie die Freiheit eines anderen einschränkt. Ohne Wahrheit kann es keine Freiheit geben. Daher würde ich Freiheit mit Wahrheit ersetzen, Wahrheit als Weg zur Freiheit. Gleichheit gibt es nie, jeder Mensch, jedes Wesen ist unterschiedlich. Aber alle sollten die gleichen Rechte haben, daher tausche ich Gleichheit mit Gleichberechtigung. Das bezieht die Natur, der Mensch ist ein Teil der Natur und unsere Kinder ausdrücklich mit ein. Brüderlichkeit klingt heute altmodisch und einseitig, zu sehr aus Sicht von männlichen Revolutionären, die Rücken an Rücken für Recht und Freiheit kämpfen. Darum wechsle ich Brüderlichkeit mit Verantwortung. Wenn wir verantwortlich handeln, ergibt sich die Brüderlichkeit von alleine, und noch viel mehr. Mein persönliches Motto einer heute notwendigen, friedlichen Revolution ist: Wahrheit – Gleichberechtigung – Verantwortung. 

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