Ostsee

Kinder suchen gerne zu Ostern bunte Ostereier. Wir Menschen sollten etwas anderes suchen. Und finden. Unserer Wertvorstellungen. Wird sich wirklich etwas ändern? Werden die Menschen ihren Sinn des Lebens neu finden? Ich bin da nicht sehr optimistisch. 

Das Gute der globalen Welt 

Wir leben in einer globalen Welt. Theoretisch könnte jeder innerhalb kürzester Zeit alle Distanzen überwinden und fast überall hinreisen. Und sein. Das ist gut so. Ich denke, jeder Mensch sollte dies auch dürfen. Besonders dann, wenn er als Flüchtling vertrieben wird, sollte er überall willkommen sein. Ich sehe hier die Chance, dass das Leben durch die Gedanken und Taten, der Vielfalt und Einzigartigkeit unterschiedlicher Menschen und Kulturen, inspiriert wird und sich weiter entwickelt. 

Die Schattenseite

Globalisierung hat aber auch ihre Schattenseiten. Wenn es nicht darum geht, dass Menschen überall sein könnten – denn das ist ja nicht wirklich so – sondern darum, dass die wirtschaftlichen Aspekte in Vordergrund stehen. Sehr vieles wird nicht mehr lokal produziert, sondern in der globalen Welt dort, wo die Bedingungen am wirtschaftlichsten sind. Das heißt, wo die Lohnkosten gering sind und die Arbeitskräfte billig. Dort, wo die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, möglichst viel, ohne Rücksicht auf Verluste, preisgünstig herzustellen. Denn nur dann kann der Gewinn maximiert werden. Auch Lagerkapazitäten werden minimiert, eine große Menge wird kurz nach der Bestellung produziert und per Schiff oder Flugzeug innerhalb kürzester Zeit geliefert. 

Damit machen wir uns abhängig, von den Möglichkeiten, die andere Länder haben, uns die, von uns benötigten Dinge, zu liefern. Das ist ein hoher Preis. Werden wir also dahin kommen, dieses Wirtschaftssystem zu verändern? Werden wir uns wieder unabhängig machen, von Waren beispielsweise aus China? Von Wanderarbeitern aus Rumänien oder Polen? Dabei sind nie die Menschen das wirkliche Problem, die bei uns arbeiten wollen oder müssen. Das Problem ist die Abhängigkeit davon. Unsere Gier, unsere Ansprüche, ist die Problematik. Wir wollen am liebsten alles und das sofort.

Materieller Wohlstand macht uns Menschen als Gemeinschaft nicht glücklich. Das ist ein Irrglaube, dem wir nachhängen, weil es Menschen gibt, die soviel Geld haben, dass sie glücklich zu sein scheinen, mit der Hochseejacht, dem Privatjet und dem ganzen anderen Luxus. Und die das als erstrebenswert verbreiten, die dabei Mechanismen wie Medien nutzen, um uns darauf neidisch zu machen. Spätestens jede Woche, bei Bekanntgabe der Lottozahlen. Geld macht eben nicht glücklich. Auch wenn wir es glauben sollen. Seit Jahrhunderten. 

Arbeit ist das halbe Leben

Wir Menschen definieren uns über Arbeit. Wenn wir keine Arbeit haben, und damit kein Geld verdienen, dann sind wir nichts wert. Das ist das Fundament unserer Wertvorstellungen. Selbstverständlich muss es Menschen geben, die arbeiten, die Felder bestellen, damit wir etwas zu essen haben, Arbeiter und Arbeiterinnen, die unsere Kleidung nähen. Diese, und viele andere Tätigkeiten, sind überlebenswichtig. Es gibt Menschen, die gerne arbeiten und forschen, die darin eine Erfüllung finden. Das ist wichtig und gut, wenn die Arbeit als solches im Mittelpunkt steht und weniger das Geld, was man damit verdient. Natürlich braucht es auch einen angemessenen Lohn für Arbeit, und es gibt Tätigkeiten, die gemacht werden müssen und wenig Spaß machen, aber wenn wir uns über diesen Lohn definieren, verlieren wir den Bezug zu dem, was das Leben ausmacht. 

Zudem gibt es Menschen, die den Anforderungen, die die Arbeit, das Leben, an sie stellt, nicht genügen können. Menschen, die es körperlich oder seelisch einfach nicht schaffen können, viele Stunden am Tag zu funktionieren. Es gibt Menschen, die sich den Worten „Mache das jetzt“ sperren, weil sie spüren, dem nicht gewachsen zu sein. Vielleicht wären diese Menschen mehr glücklich, wenn sie sich als Künstler verwirklichen oder als freiwillige Helfer ab und zu tätig sein würden. Dieser Druck durch das „Du musst aber, wir können es doch auch“ oder „Ja aber, ich weiß das aber besser“ macht Menschen krank, schiebt sie ins Abseits, weil sie nicht „dazu“ gehören, zu den vielen Menschen, die meinen, Arbeit ist alles. Manche Menschen versuchen, sich anzupassen, andere werden süchtig nach Drogen, oder werden depressiv. Viele Folgen kennen wir nicht.

Die Folgen der industriellen Revolution

Wir können gar nicht mehr in einem System leben, auf einem Hof, in einer Dorfgemeinschaft, in der man sich komplett autark versorgen könnte. Wo die Wolle für den Pullover vorher geschoren und gesponnen wurde, die Schuhe von einem selbst repariert werden können und wir davon leben, was uns das Feld und die Tiere auf dem Hof, schenken. Eingebunden im Kreislauf der Natur. Natürlich wollen wir das auch nicht mehr unbedingt. Die Vorteile zählen mehr: Wir werden im Durchschnitt älter als die Menschen früher. Und wer will oder kann schon auf sein Handy oder Smartphone verzichten?

Das naturnahe, übersichtliche und kleine Leben ist in unserer industrialisierten Welt in Europa verloren gegangen. Alles wird größer, Geschäfte werden global gemacht. Jeffrey „Jeff“ Preston Bezos, einer der reichsten Menschen der Welt, ist Gründer von Amazon, einem internationalen, globalen Handelskonzern. 

Wir sind im System gefangen. Wir werden mit Informationen beeinflusst. Nein. Es sind keine Verschwörungstheorien, die ich meine. Wir haben seit Generation gelernt, so zu leben, deswegen geben wir das auch so weiter. Zum Beispiel: Weil der DAX (deutsche Aktienindex) fällt oder steigt und wir meinen, dass das für unser Leben relevant ist, und wir die Technologie dazu haben, verbreiten wir diese Information. Und kaum einer hinterfragt den Sinn dieser Information. Und wenige verstehen, warum der DAX überhaupt wichtig sein soll. Aber das spielt keine Geige. Wirtschaftswachstum bedeutet Wohlstand für alle, wird verbreitet, also wird uns was vom DAX erzählt.

Und nun, in Zeiten, in denen ein Virus sich mit tödlichen Folgen innerhalb kürzester Zeit auf der ganzen Erde verbreitet, gerät unser Wirtschaftssystem, unser Leben, an seine Grenzen.

Ein Lichtblick oder ein Strohfeuer

Aber wird das auch dazu führen, dass wir das Wirtschaftssystem grundlegend ändern? Wird der Virus die Menschen ändern? Oder werden wir es einfach nur anpassen, dann arbeiten eben mehr Menschen im Homeoffice. Aber die Erdbeeren aus Spanien im Winter wollen wir unbedingt. Wenn wir nicht lernen, auch zu verzichten, nicht alles, was möglich sein könnte, auch zu wollen, egal zu welchem Preis, wenn wir nicht unsere Werte hinterfragen und neu finden, dann wird sich auch nicht viel ändern. 

In manchen Bereichen des Lebens entsteht eine selbstlose Hilfe für besonders hart betroffene Menschen. Das ist toll und ein Lichtblick. Aber wird das alles so bleiben? Werden wir unser Denken neu finden? Oder bleibt alles ein Strohfeuer. Und danach machen wir weiter so wie vorher?

Vielleicht ein Weg

Ein Weg könnte sein, dass wir Bedingungen schaffen, die es ermöglichen, dass Menschen sich weniger über das Geld definieren, dass sie mit ihrer Arbeit verdienen. Das jedem Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen zusteht und das Anreize geschaffen werden, die es ermöglichen, dass jeder, der es will, auch gerne seiner Tätigkeit nachgeht.

Ansporn könnte sein, dass wir lernen, uns wieder zu freuen, über das Lachen im Gesicht. Das wir Verantwortung übernehmen und tragen.

Der Coronavirus zeigt: Wir wissen in vielen Bereichen gar nicht, wie wir uns richtig verhalten sollen. Manche Verbote scheinen eher einem wilden Aktionismus zu entspringen, irgendetwas tun zu müssen. Hier muss man doch ansetzen. Wie verhalten wir uns in diesen Zeiten, und überhaupt angemessen, solidarisch und sozial. Nicht, wie verdienen wenige Menschen innerhalb kürzester Zeit möglichst viel Geld, sondern wie schaffen wir Lebensbedingungen, die allen Menschen und allen Leben, wirklich zugutekommen. Und das bedeutet eben nicht, dass es uns wirtschaftlich gut geht, dass wir im Wohlstand leben – der andere vor Neid erblassen lässt. Sondern es bedeutet, dass wir in gewisser Weise unabhängig und gesund leben können. Dass wir frei sind und dass es unserer Seele gut geht. Es ist ein verquerer Blick unser Wohl auf das Materielle zu reduzieren. Aber wie soll man auch anders lernen zu denken, wenn eine bestimmte Art zu Leben einem vermittelt wird. Unsere Abhängigkeit ist doch gewollt von denen, die unsere Angewiesenheit ausnutzen und sich damit ihre goldene Nase verdienen. 

Das Denken, unsere Werte, müssen auf den Prüfstand.

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