Gratismentalität

Hiddensee

Gratismentalität – ist das 9-Euro-Ticket für den bundesweiten Nahverkehr der Bahn, das zur Entlastung der Menschen für 3 Monate galt, unfair? Sind Schritte in Richtung des kostenfreien ÖPNV kritisch zu sehen?

Warum wird nicht weiter gedacht? Was wäre falsch an einem kostengünstigen öffentlichen Nahverkehr? Ja, er musste auf Dauer subventioniert werden, aus Steuergelder. Kein Unternehmen könnte oder dürfte eigentlich am Nahverkehr einen Gewinn abschöpfen. Aber das widerspricht den Grundfesten der freien Marktwirtschaft. Dennoch wäre es vielleicht der Beginn eines Umdenkens: Für mehr Umweltschutz und dafür, dass wir Menschen eben nicht aus wirklich allen nur Profit gewinnen können und wollen. Sondern, dass es Dinge gibt, die wir einfach haben, weil sie allen Menschen zu Gute kommen, ohne das einzelne Menschen sich daran eine goldene Nase verdienen. 

Die „Gasumlage“, die Unternehmen zugesprochen wird, die wegen Ausfällen der Gaslieferungen aus Russland unter existenziellen Druck geraten und die auf den schon sehr hohen Gaspreisen aufgeschlagen wird, finde ich sehr problematisch. Warum muss der Verbraucher die Kosten dafür tragen? Er hat doch keine Verträge mit russischen Gasunternehmen gemacht. Der Verbraucher hat die einseitige Abhängigkeit von einem Staat nicht zu verantworten. Auf politische Entscheidungen, die aus Abhängigkeiten zwischen Politikern und Wirtschaft entstehen, aus Vorteilsdenken von Politikern, Staatsoberhäupter und Wirtschaftsbossen, haben wir Menschen nur indirekt, durch Wahlen, Einfluss. Wenn überhaupt müssten alle Menschen gleichermaßen die Kosten aus den politischen Folgen tragen. 

„Abhängigkeit“ ist das wirksamste Mittel der Macht unserer Zeit überhaupt. Und meistens viel subtiler als Gewalt und Unterdrückung.

Der sehr fade Beigeschmack bei der „Gasumlage“ wird verstärkt durch solche Nachrichten wie „Rekordgewinne für Europas Ölkonzerne“  und „BP im Ölrausch“.

Autofahrer merken es als Erste: Benzinpreise steigen schnell und fallen langsam. Schon Tage vor dem auslaufen der Förderung der Benzinpreise steigen die Benzinpreise wieder stetig. Gewinner sind die Ölkonzerne. Warum kommen die sehr hohen Gewinne der Ölkonzerne nicht über entsprechende Steuern der Gesellschaft zu Gute? Wie verflochten sind Öl- und Gaskonzerne miteinander? Warum muss der sowieso schon belastete Verbraucher die Zeche zahlen? Eine Inflation von über 10% wird erwartet. Danke Wirtschaftspolitik!

Gratismentalität – das können wir uns abschminken: Wir Menschen bekommen gar nichts gratis. Die Ergebnisse der wie auch immer initiierte Ölpreispolitik zahlen wir Menschen. Die Gaspreise zahlen wir ebenfalls wie alle anderen erhöhten Preise. Die Strompreise sind, warum auch immer, an den Gaspreisen gekoppelt, also steigen auch die Strompreise mit den Gaspreisen. Subventionen zahlen wir mit unseren Steuern. Die Folgen der Klimakatastrophe zahlen wir mit Geld, mit unserer Gesundheit und im Extremfall mit unserem Leben. Genauso wie die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs, der im schlimmsten Fall in einem 3. Weltkrieg oder einer atomaren Katastrophe, durch den Beschuss des ukrainischen Atomkraftwerks, gipfelt. 

Was muss sich ändern? Hilft es, zu demonstrieren? Auch unter der Gefahr, das undemokratische Bewegungen wie die AFD, Querdenker, irgendwelche nationalsozialistische Gruppen und andere den Unmut für sich instrumentalisieren? Ein sozialer Unmut, der im extremen zu einem Bürgerkrieg und Abschaffung der Demokratie führen könnte? Hier sehe ich eine große Gefahr, weil Kräfte im (noch) verborgenen genau darauf warten und das forcieren. 

Viele Menschen auf der Straße sind aber vermutlich die beste Lösung. Sie wären ein Signal. Wenn sie sich nicht vereinnahmen lassen würden. Wenn sie mit ihren Demonstrationen nicht die Demokratie infrage stellten, sondern die Machtpolitik, egal von wem. Wenn sie das wirtschaftliche Denken infrage stellten, aber nicht das Leben. Wenn sie Wahrheit, Informationen und Kommunikation fordern würden und jede Unwahrheit verurteilen würden, die uns täglich offen ins Gesicht gelogen wird. Wenn sie nicht Ausgrenzung, sondern Miteinander und Solidarität forderten. 

Wir brauchen keinen Sündenbock, denn wir sind alle selbst die größten Sünder. 

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