Tomaten

Können wir uns den Klimaschutz, im Zuge der durch die Corona-Krise herbeigeführten Rezession, noch leisten? Können jetzt die Maßnahmen, die eingeführt wurden, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, entfallen? 

Das sind die falschen Fragen. Wer diese Fragen stellt, hat den Ernst, hat die Zusammenhänge noch nicht verstanden, oder, noch schlimmer, will sie nicht verstehen. 

Wir müssen uns mehr Klimaschutz leisten, um auch Katastrophen, wie die durch den Coronavirus herbeigeführte Pandemie, überhaupt überstehen zu können. Diese Katastrophe steht, meiner Meinung nach, im direkten Zusammenhang mit der Umweltzerstörung, dem Klimawandel, daher sollten wir uns hüten, das eine mit dem anderen auszuspielen. 

Gerade die Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr der Ansteckung, haben dazu geführt, dass sich in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, weniger Menschen anstecken, weniger Menschen sterben. Daher ist eine Lockerung alleine davon abhängig, inwieweit wir dadurch Menschen vor der Gefahr schützen. Hätte es diese Maßnahmen in dieser Form nicht gegeben, und hätten diese Maßnahmen nicht erfolgreich funktioniert, dann hätten wir weit schlimmere Folgen zu beklagen. Ursache und Wirkung sollten nicht verwechselt werden. 

Schauen wir uns um, wie viele Menschen sterben in Italien, Spanien, Brasilien, in den USA und anderswo. Keiner erfasst und kennt die genauen Zahlen der betroffenen Menschen, aber Statistiken sagen, dass bis zum heutigen Tag sich über vier Millionen Menschen weltweit am Coronavirus infiziert haben und über 300.000 Menschen daran gestorben sind. Die Dunkelziffer beträgt bestimmt ein vielfaches dieser Angaben. 

Mein Blick auf die Medien

Gegen die Maßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus, demonstrieren in Deutschland Menschen, mit Plakaten wie „Wir wollen unser Leben zurück“. Die ARD (das Erste Deutsche Fernsehen) titelte nachmittags: „Hunderte bei Demos gegen Corona-Maßnahmen“. Welches Gewicht geben wir hunderte Demonstranten, abends waren es dann tausende Menschen geworden. Welchen Raum, welchen Platz geben wir Meldungen wie dieser?

Jeder darf seine Meinung haben und äußern. Das ist ein elementares Grundrecht der Demokratie. Aber wir müssen hinschauen, ob es eine Meinung ist, die verbreitet wird, oder Propaganda, hinter der ganz andere Interessen stehen, um die unzufriedenen Menschen zu instrumentalisieren. Und, unter anderen, die Medien dazu missbraucht werden, Menschen zu manipulieren. 

Es ist ein Fehler, wenn wir uns die Welt zu einfach machen, ohne Fragen zu stellen, und so Mitläufer werden. Angst ist ein wesentlicher Beweggrund dafür. Auch bei Medien arbeiten Menschen, die ihre Sorgen und Ängste haben. Gerade von diesen Menschen erwarte ich aber einen professionellen Umgang mit der Wahrheit. Denn wir Menschen sind darauf, auf wahrheitsgemäße und ausgewogene Informationen, angewiesen. Aber wer weiß schon, welche Interessen wer wirklich vertritt?

Hallo, hier ist das Problem

Menschen handeln schnell wie Marionetten. Blicken wir in die Geschichte, Menschenmassen feiern den Führer nach seiner Machtergreifung 1933. Ein anderes Beispiel: Wenn eine Bertelsmann Stiftung zitiert wird, dass wir in Deutschland zu viele Krankenhäuser haben, hört sich diese Meldung für die meisten Menschen seriös an. Alleine schon wegen des Wortes „Stiftung“. Aber wer hinter dieser Stiftung steht, welche Interessen diese Stiftung wirklich vertritt, bleibt im verborgenen. Wir glauben es. Und sind nicht in der Lage zu begreifen, wie wir Menschen beeinflusst werden. 

So funktioniert die Welt. Macht manipuliert und korrumpiert. Auch Verschwörungstheorien sind ein Mittel dieser Manipulation. Einer behauptet, dass Bill Gates uns Menschen einen Chip einsetzen will, um uns steuern zu können. Viele glauben es. Also, dazu braucht es keinen implantierten Chip. Wer das glaubt und verbreitet, steuert andere und ist gesteuert. Wir sollten bei der Wahrheit bleiben, und so jede Verschwörungstheorie und jede Meinungsmache hinterfragen. 

„Niemand, den ich kenne, hat Corona!“, sagten Demonstranten in Berlin auf Corona-Demos. Was ich nicht kenne, gibt es also nicht. Nach dieser Logik gibt es keine Indianer, denn ich kenne keinen. Und auch keine Nazis, denn ich kenne keine. Wie einfach wird die Welt damit. Und die Erde ist eine Scheibe. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden geleugnet und die Regierung ist überhaupt schlecht, wenn sie ihre Befugnisse wahrnimmt.

Die Regierung hat bestimmt nicht alles richtig gemacht. Immerhin hat sie bisher die Forderung der Autoindustrie abgewehrt, auch den Kauf von KFZ mit Verbrennungsmotoren zu fördern. Die Lobby der Umwelt zählt da aber weniger, dennoch muss jede Förderung, meiner Ansicht nach, auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden. Auch scheinen manche Maßnahmen sehr willkürlich, in einem Bundesland so, in einem anderen anders. Man merkt überall die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft. Hätte die Politik schneller reagieren müssen, mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus? Aber generell finde ich, hat die Politik halbwegs geschlossen und gut gearbeitet. Und auch unser Gesundheitssystem funktioniert. Darauf kann man sich aber nicht ausruhen.

Wer weiß schon, wem man glauben kann?

Wie war es im Dritten Reich: Kaum einer wollte etwas gewusst haben, aber so viele haben mitgemacht, gejubelt, den Arm gehoben und Schlimmeres. Wem es, heute auf einer Demo, egal ist, ob neben ihm ein rechtsextremer Nazi sitzt oder geht, der bereitet den Nazis den Weg. Wer Journalisten tätlich angreift, will keine Meinungsfreiheit, der greift die Freiheit an. Wer behauptet, eine demokratisch gewählte Regierung, die die Gesundheit der Bevölkerung schützt, versklavt uns mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus, der will unsere Versklavung. Ängste schüren und die Verdrehung von Tatsachen, sind beliebte und wirksame Mittel zur Verschleierung der Wahrheit. 

Die Demonstrationsfreiheit ist wesentlich in der Demokratie. Dabei muss man aber aufpassen, vor welchem Karren man sich spannen lässt. Natürlich geht es um Grundrechte des Menschen. Aber im Zuge der Umweltzerstörung durch die Wirtschaft zählen Grundrechte sehr wenig. Und wie wichtig ist wohl das Grundrecht auf Gesundheit? 

Ein Bestehen auf die eigenen Grundrechte kann die Grundrechte andere Personen beeinträchtigen. Wer ohne Mindestabstand und ohne Maske rumläuft, könnte andere Menschen gefährden. Wer mit 220 Sachen über die Autobahn rast, und für dem das Verhalten Freiheit bedeutet, gefährdet mit seinem Handeln andere Menschen, bedroht ihr Leben. Selbst wenn er Rennfahrer studiert hat, weiß er nie, ob andere Menschen mit der Situation, die durch seine Fahrweise entstehen könnte, zurechtkommen können. 

Ein Grundrecht hört dort auf, wo es das Grundrecht eines anderen Menschen beeinträchtigt. In anderen Ländern, wie der Türkei, sind die Grundrechte in den letzten Jahren stark abgebaut worden, diktatorische Machthaber sind schnell dabei Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und andere Menschenrechte einzuschränken. Wir können uns in Deutschland glücklich schätzen, noch in einer funktionierenden Demokratie zu leben. Alles könnte auch besser sein, dafür sollte man sich immer einsetzen, aber alles kann auch schnell viel schlechter werden. Das sollte man genauso im Auge behalten. 

„Wir wollen unser Leben zurück“

Ich auch. Wer will das nicht. Aber ich habe mein Leben doch gar nicht verloren. Einige Einschränkungen gibt es, aber sie gelten für alle gleich, ich kann damit leben. Und es ist der Preis, den wir Menschen zu zahlen haben. Aber, die vielen Toten können nicht mehr ihr Leben zurückwollen. Wir Lebenden bekommen unser Leben nur zurück, wir können das Leben nur schützen, in dem wir die Verbreitung des Virus eindämmen, in dem wir Verantwortung übernehmen und unsere Ignoranz gegenüber der Wahrheit ablegen. 

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