Ist gesundheitliche Versorgung ein Gemeingut, wie etwa die Natur oder Bildung, für jeden Menschen eines Landes?

Unser „Fortschritt“ ist eine teure Gerätemedizin. Wirtschaftliche Interessen von Unternehmen fördern dieses. Aber wer will auch durch Handauflegen eine unsichere Diagnose erhalten, wenn es mit den technischen Möglichkeiten eine sichere Antwort geben könnte. Nicht umsonst steigt die Lebenserwartung der Menschen.

Nun. Die Apparate müssen bezahlt werden, sie müssen sich amortisieren. Wenn wir so denken, kommen wir zwangsläufig zu dem Schluss, dass möglichst viele Patienten mit Hilfe dieser Geräte untersucht und behandelt werden müssen.

Also bezahlen wir den Arzt, das Krankenhaus für die Anzahl von Operationen. Fallpauschale je Blinddarm.

Wenn sich aber ein Honorar alleine nach der Quantität richtet, entsteht damit ein Sog, die Menge mehr und mehr zu steigern und möglichst in kurzer Zeit schnell zu sein und viel zu schaffen. Damit bleibt wenig Zeit für Qualität, für ein genaues Hinschauen, ein Abwägen von möglichen Alternativen.

Die Quantität darf nicht entscheidend sein, wesentliches Kriterium muss die Qualität werden. Wir benötigen Instrumente, um die Qualität gerecht zu messen. Dann könnte sie ein Kriterium sein, nachdem die Krankenkassen finanzieren.

Was aber heißt Qualität? Der Patient hat keine Bauchschmerzen mehr? Er ist geheilt, er ist nicht verstorben. Seine Lebensqualität ist erhalten, verlängert, verbessert? Er ist glücklich, zufrieden. Er hat keine Schmerzen. Seine Lebenserwartung beträgt nicht drei Monate sondern noch ein Jahr? Bestimmt lassen sich objektive Kriterien entwickeln, aber eine subjektive Wahrnehmung wird sich nicht vermeiden lassen. Was für den einen die Wahrheit bedeutet, muss nicht auch für den anderen gelten.

Also koppeln wir das Gesundheitswesen ab von der Wirtschaft. Dann können wir auch gleich noch die Krankenkassen mit abschaffen und alles über Steuern finanzieren. Gesundheit wird zum absoluten Gemeinwohl. Bürgermeister handeln nach Gutdünken, weil die Mutter ein Herzleiden hat kann eine weitere Herzklinik nicht schaden. Ärzte arbeiten nur Montag bis Freitag, sie bekommen ja ohnehin ihr Gehalt.

So geht es natürlich nicht. Wir brauchen Steuerungsinstrumente, um Qualität und Bedarf zu ermitteln und zu bewerten. Wir müssen dabei auch die die Bereitschaft, das Engagement honorieren.

Die Frage ist nur, ob die Wirtschaftlichkeit das geeignete Instrument ist. Wir können hervorragend berechnen, was zum Beispiel ein Krankenhaus kostet. Personalkosten, Unterhalt der Technik und Gebäude lässt sich den Einnahmen, das was der Staat und die Krankenkassen zahlen, gegenüber stellen. Daraus abgeleitet muss sich das Krankenhaus tragen, darf kein Minus machen. Vergessen in dieser betriebswirtschaftlichen Berechnung wird aber der Wert, den ein Gesundheitswesen schafft, in dem es Gesundheit wieder herstellt oder erhält. Nicht wirtschaftlich berechnet werden kann der Wert des Menschen, der Wert des Lebens.

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