Außer Kontrolle

Lagerfeuer

Sonntag, der 19. Juni 2022, 15:30 Uhr. Im Land Brandenburg brennt es. Bei Treuenbrietzen sind mittlerweile drei Ortsteile evakuiert, Sonntag Mittag brennen 200 ha Wald auf einem ehemaligen Militärgelände. Heute Morgen wurden noch 100 ha brennende Fläche gemeldet, die vom Wind weiter angefacht wurden. Auch bei Beelitz Heilstätten ist ein Waldbrand außer Kontrolle.

Mein Foto zeigt nur die harmlos brennende Wurzel in unserem Garten. Die Wirklichkeit ist wie in einem Horrorfilm. Nur viel fürchterlicher. 

Die aktuellen Waldbrände  sind „nur“ ein lokales Problem. Ich sehe nur Katastrophen. Sei es die Corona-Krise, der Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine, angezettelt von einem aus der Kontrolle geratenen Diktator. Sei es die Klimakatastrophe, die sich nicht nur in immer extremer werdenden Wetterlagen manifestiert. 

Der Mensch verliert die Kontrolle. Wenn er sie überhaupt je hatte oder haben könnte. Ich denke, die Menschheit, insbesondere die Männer, haben sich massiv überschätzt. Der Irrglaube der Menschheit? Wir denken, alles ist möglich, wir können alles regeln.

Aber dem ist nicht so. Wir können nur reagieren, auf die Waterloos des Lebens. Wir sind ihnen aber nicht Herr. Wir können das Chaos anrichten, aber haben keine wirkliche Lösung. Das ist das Problem. Wir sind nicht in der Lage, die Probleme nur annähernd in den Griff zu bekommen, die durch unser eigenes Handeln entstehen. Vielleicht sollten wir einfach auf einen Kometeneinschlag auf der Erde hoffen. 

Der Mensch ist das Problem, das anzuerkennen, zu begreifen wäre vielleicht ein Schlüssel. Denn vielleicht würde damit ein Bewusstsein wachsen, sehr viel wachsamer zu sein. Aber was fällt den deutschen Politikern ein? Zurück nehmen des Umweltschutzes für die Energieerzeugung, für Fracking wie beispielhaft in den USA, für kleineren Abstand zwischen Siedlungen und Windrädern, für die Wiederinbetriebnahme von Kohlekraftwerken und dem Ausstieg aus dem Ausstieg der Atomkraft. Zurück in die Vergangenheit, im Namen der Wirtschaft.

Wenn ich das höre, kräuseln sich mir die Zehennägel. Wann begreifen wir endlich, dass es kein „immer weiter so“ mehr geben darf. Wie viel Irrwege muss die Menschheit noch gehen, wie viele Opfer wird das jetzt und in der Zukunft fordern! 

Wir Menschen brauchen einen wirklichen Kompromiss mit der Natur. Manchmal helfen drastische Argumente, damit eine Lösung, die Kompromissbereitschaft wächst. Wenn es keinen Modus Vivendi geben kann, dann muss man die Sache zuspitzen, damit die Lösungsmöglichkeiten deutlicher werden. Falls es ein gleichberechtigtes Zusammen zwischen Menschheit und Natur überhaupt geben kann, und es nicht schon viel zu spät ist.

Für einen Kompromiss ist Voraussetzung, dass wir Menschen die Natur wirklich anerkennen, und uns wieder als ein Teil der Natur begreifen. Dazu ist es notwendig, dass wir den Wert der Natur beachten, der in unserem kapitalistischen Weltbild nur in soweit besteht, wie wir die Ressourcen ausbeuten können. Die Natur hat keinen Wert im Kapitalismus, außer als Supply.

Wir müssen wieder lernen, von der Natur zu lernen. Unser menschliches System ist abgekoppelt. In der Natur gibt es kein grenzenloses Wachstum. In der Natur gibt es kein Geld. Die Natur ist ein Wechsel zwischen werden und vergehen. Die Natur baut auf Kooperation. Ein Ökosystem funktioniert, weil sehr viele unterschiedliche Faktoren zusammenspielen, Pflanzen und Tiere sich gegenseitig brauchen, bis zu einer Symbiose, abhängig voneinander sind. 

Im Kolonialismus sind Europäer über andere Erdteile eingefallen, haben Erdbodenschätze und Kulturgüter geraubt. Haben andere Menschen nicht als Gleiche anerkannt. Bis hin, dass indigene Völker vertrieben und ausgerottet wurden. Die Sklaverei wurde abgeschafft. Zerstörung und Vertreibung passieren auch heute noch, wie im Amazonas. Heute wissen wir immer noch nicht, dass das falsch ist.

Das größte Unrecht ist, dass der Kolonialismus gegenüber der Natur weiter ungehindert stattfindet, trotz Greenpeace, dem Nabu, der Bewegung Fridays for Future und unzähliger anderer kleiner und großer Initiativen. Und ungeachtet der Katastrophe, auf die die Menschheit zusteuert. 

Die Natur hat keinen Wert an sich, im System der Menschen. Der Mensch ist nicht in der Lage den vorausschauenden Überblick zu haben. Der Mensch kann sich die innovativsten Erfindungen ausdenken, er kann dabei aber nicht ausreichend berücksichtigen, welche Auswirkungen daraus erwachsen. Es ist wie im Zauberlehrling von Goethe, nur weit aus schlimmer. Da hilft keine Macht des Geldes. Wir steuern sehend auf unser Unglück zu und sind ausgeliefert, gegenüber der brennenden Katastrophe.

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