Alles ist miteinander verbunden

Wir sind alles Individualisten. Denken wir. So leben wir. Das stimmt auch, jeder Mensch ist einzigartig, ganz individuell und einmalig. 

Kater Socke macht gerne etwas nach, was sich gerade Katze Karo ausgedacht hat. Das fällt auf. Es ist aber auch umgekehrt, das Karo Ideen aufgreift, die Socke hatte. So ist es bei Tieren, so ist es bei Menschen. Jeder Mensch lernt sein ganzes Leben lang, wenn er es will. Vieles, vielleicht 80 Prozent, lernen wir durch Imitation, durch nachmachen. So wie wir es, früher als Kind, später als Erwachsener, „vorgemacht“ bekommen haben, es uns vorgelebt wurde und wird. 

Schon sehr früh, noch im Mutterleib, lernen wir. Oder besser gesagt, entwickelt sich unser Charakter. Denn wir hören, wir fühlen, wie es der Mutter geht, wie sie lebt, spüren ihren Stress, fühlen ihre Liebe, ihre Zärtlichkeit, hören ihre Stimme. Mit der Nabelschnur verbunden sind wir mit ihr, unserer Mutter. Diese einzigartige Verbindung und die Gefühle der Mutter, sind sehr wesentlich, für unsere spätere Entwicklung. Zudem ist diese Verbindung bedeutsam für die Gefühle, für die Liebe, die die Mutter für ihr Kind empfindet, jetzt und später.

Wird ein Kind, warum auch immer, zu früh von der Mutter getrennt, so wird es die Bindung zwischen Mutter und Kind, von beiden Seiten aus gesehen, schwerer haben sich zu entwickeln. Wichtige, biochemische, hormonelle Prozesse im Gehirn sind gestört.

Unser Gehirn speichert in unterschiedlichen Bereichen über die Aktivierung von Verbindungen zwischen Nervenzellen das erlebt und gelernte. Verschiedene Bereiche im Gehirn speichern bestimmte Informationen. Manche Bereiche können für sie bestimmte Informationen nur in bestimmten Phasen des Lebens speichern. Das Sprachzentrum im Gehirn beispielsweise speichert in der Kleinkindzeit am besten. Später wird es viel schwerer, für einen Menschen das sprechen zu lernen. In anderen Phasen, wie der Pubertät, werden die gespeicherten Verbindungen aufgeräumt, neu geordnet und unter Umständen aufgelöst. Auch unsere Möglichkeiten, wie wir Beziehungen fühlen und leben ist im Gehirn gespeichert. Hier ist die Zeit vor und nach der Geburt wesentlich. Anderseits können manche Bereiche des Gehirns auch für andere Bereich einspringen. Lernen, also die Aktivierung von Verbindungen zwischen Gehirnzellen, ist das ganze Leben lang möglich. Wenn wir es nicht vergessen, wenn wir offen dafür bleiben.

So ist schon sehr früh im Leben eines Menschen, noch vor der Geburt, eine entscheidende Zeit, in der die Basis für die Entwicklung und die Beziehungen zueinander gesetzt werden. Liebe und Nähe, besonders in der ersten Zeit, sind das A und O. Keine Nabelschnur sollte zu früh getrennt werden, wenn wir wünschen, dass unsere Kinder einen guten Start ins Leben haben. Denn alles ist miteinander verbunden. Ein Inkubator, ein Brutkasten, in dem das zu früh geborene Kind gelegt wird, ist kein adäquater Ersatz für den Mutterleib, für ihre Nähe und Wärme.

Ein Kind schon frühzeitig in die Krippe geben, damit auch die Frau wieder einer bezahlten Arbeit nachgehen kann, ist bestimmt aus der Sicht der arbeitenden Gesellschaft positiv und auch aus der Sicht der Frau, die nicht „nur“ Mutter sein möchte oder kann. Ändern wir unseren Blickwinkel, alles hat immer mehrere Seiten: Aus der Sicht des Kindes ist es eine Bürde für das Kind und auch für die Mutter, für die Beziehung der Mutter zu ihrem Kind. Ändern wir unseren Blickwinkel noch mal und bewerten das „Muttersein“, die „Arbeit“, die eine Mutter in der Familie, als „Hausfrau“ leistet, zur Abwechslung mal nicht aus der Sicht der Wirtschaftsgesellschaft. Dann relativiert sich das „nur Mutter“ sehr schnell.

Die Verbindung der Mutter zum Kind ist bestimmt nicht die einzige wichtige Verbindung. Jede Beziehung, jede Interaktion, hat immer auch Auswirkungen auf andere Menschen. Lacht ein Mensch, so ist das Lachen vielleicht ansteckend. Weint er, so macht seine Traurigkeit etwas mit einem anderen. Erzählt er Lügen, so schwindet das Vertrauen, das andere zu ihm haben. Hört er etwas, das ihn in seiner vergangenen Zeit irgendwie berührt hat, schlimmstenfalls traumatisierte, so könnten in ihm alte Verhaltensweisen aufbrechen. Damit immer richtig umzugehen, ist oft nicht einfach. Manchmal gelingt es besser, manchmal schlechter. Je nachdem wie wir gerade drauf sind und was uns zum Beispiel den Tag über Widerfahren ist. So wirken alle Verbindungen jederzeit. Beziehungen, die wir aber oft gar nicht mehr deutlich wahrnehmen, weil es uns dafür am Bewusstsein mangelt.

Wenn sich Eltern anschreien, vielleicht in ihrer Überforderung, so wird das Kind sich das abschauen. Nicht einfach wird es dadurch gegebenenfalls sein, für dieses Kind, andere Formen der Kommunikation zu lernen, Konflikte anders auszutragen, als möglicherweise dadurch, dass der eine den anderen unterdrückt.

Jedes Kind hat sensible Antennen für unterschwellige Widersprüche im Verhalten der Eltern. Ist die Liebe wirklich echt, ist Zeit für Nähe da oder sind Fragen des Interesses nur gestellt, zwischen Tür und Angel? Das zum Beispiel kann je nachdem eine Unsicherheit im Kind hinterlassen, die es ihm immer wieder schwer machen könnte, sich geborgen, sich sicher und nicht alleine zu fühlen.

Verletzungen in uns führen manchmal auch zu Mauern, die wir um uns errichten und wir uns nur wenigen Menschen gegenüber wirklich öffnen können. Vielleicht, in unserer Kindheit, waren diese Mauern ein Schutz. Vielleicht sind sie auch später ein Schutz. Aber anders herum versperren Mauern auch die Sicht auf uns, unsere eigene Sicht und die Sicht anderer Menschen.

Lebt der Vater, als großer starker Mann eine Persönlichkeit vor, die immer sehr respekteinflößend ist, so wird sich das Kind vielleicht vor anderen, vor wichtigen Menschen oft klein fühlen. Setzt sich der Vater aber auf den Boden zum Kind, spielt mit ihm das, was das Kind will, lässt sich wirklich auf das Kind ein und macht sich nicht größer und besser, so besteht eine Chance, dass sich im Kind viel leichter das Gefühl entwickelt, etwas zu sein. Selbstbewusstsein. 

Ein Kind kann sehr schnell vom Erwachsenen überfordert sein, verunsichert. Umgekehrt ist es viel einfacher für den Erwachsenen, sich kleiner zu machen, eben nicht größer als das Kind, sich auf die Ebene des Kindes zu begeben und so auch den eigenen Blickwinkel zu ändern, zu erweitern. Wenn wir uns auf Kinder wirklich einlassen, können wir als Erwachsener sehr viel lernen. Es ist ein köstlicher, kostbarer Gewinn, die Welt „wieder“ mit Kinderaugen zu sehen, zu begreifen.

Ich vereinfache bestimmt sehr komplexe Zusammenhänge, aber im Kern ist es meine Wahrheit.

Wir sind alles Individualisten. Denken wir. So leben wir. Das stimmt auch, jeder Mensch ist einzigartig, ganz individuell und einmalig. Aber alles ist miteinander verbunden. Wir Menschen, wie wir sind, beeinflussen andere Menschen, wirken auf unsere Umwelt. Und unsere Umwelt beeinflusst uns Menschen.

Ein Sprichwort sagt, es ist egal, ob in China ein Sack Reis umfällt. Vermutlich ist es für uns völlig egal. Aber wer weiß. So wie die schnelle Verbreitung des Coronavirus zeigte, ist es nicht egal, was irgendwo und irgendwann passiert. 

Wie sehr wir mit der Erde verbunden sind, zeigt uns die Erdanziehungskraft. Ohne dieser Kraft würden wir im All umherirren. Und das ist nicht möglich, das heißt, ohne diese Verbindung durch die Erdanziehung würde es kein Leben geben. Wie viel Verbindungen wird es geben, von der wir keine blasse Ahnung haben, die aber dennoch erst das Leben ermöglichen und bestimmen?

Wir Menschen sind auf dem besten Weg die Verbundenheit zur Natur zu verlernen. Zu wenige Menschen leben uns das noch vor. Keine 80 Prozent. Zurück zur Natur, wird als Rückschritt der Gesellschaft wahrgenommen und oftmals verpönt. Damit verliert sich mehr und mehr die Verbindung zur Natur, zur Umwelt, in der wir leben. Was weniger wird, verkümmert in uns. Großstadtkinder erleben nicht mehr wie eine Kuh Milch gibt.

Wir fühlen uns nicht mehr eingebunden in der Natur, das wiederum macht es uns einfacher, die Natur auszubeuten, zu zerstören. Zum Vorteil der Wirtschaft, der Macht des Kapitalismus.

Aber nicht unbedingt zum Vorteil unseres Lebens, unserer seelischen und körperlichen Gesundheit. So wie wir als Baby leiden, wenn die Nabelschnur zur Mutter zu früh getrennt wird, so leiden wir als Menschen unter dem Verlust der Verbindung zur Natur. Wenn wir es überhaupt bemerken. 

Dabei sagt unser Körper uns deutlich, zum Beispiel mit seinen Krankheiten, wie es der Seele geht. Und umgekehrt spricht die Seele zum Körper. Wenn wir zuhören.

Traut man sich, auf sein eigenes Leben zurückzublicken, sich Umwege, Fehler und Verdrängungen überhaupt einzugestehen? Oder machen wir, weil es für uns einfacher ist, die Augen einfach zu, bis hin zur Blindheit. Macht so das Schwinden des Augenlichts nicht deutlich, ob wir in unserem Leben nicht immer genau hingeschaut haben? Wenn Du mir mit dem Gedanken folgst, wie alles miteinander verbunden sein könnte, so wirst du auch hier eine Verbindung erkennen. Die nicht sein muss, aber durchaus auch eine Rolle spielen kann.

Es kann aber auch richtig sein, die Augen zu schließen, so wie wir den Schlaf brauchen, um uns auszuruhen, dürfen wir auch die Augen geschlossen halten, um der Seele Ruhe zu geben. Wichtig ist einfach nur, diese Verbindungen zu erkennen, zu verstehen. Alles hat seine Zeit. Wenn wir es zulassen.

Das Herz ist seit Menschengedenken das Symbol der Liebe. Das Herz ist das wichtigste Organ, hört es auf zu schlagen, endet jedes Leben. Endet jede Liebe. Was bedeuten zunehmende Herzerkrankungen aus dieser Sicht? Reicht die Liebe, die wir leben für ein gesundes Leben? Lieben wir uns selbst ausreichend? Und hier meine ich nicht, dass wir lieben, was wir haben. Wir lieben die Natur nicht annähernd ausreichend, wie nicht nur die Klimakatastrophe zeigt!

Wesentlich ist, wieder zu lernen die Verbindungen, die Netzwerke zu sehen. Nicht um wirtschaftliche Vorteile zu erfahren, sondern um den Sinn des Lebens wieder neu zu erkennen. Und um der Seele, dem Körper wieder die Chance zu geben, etwas gesünder zu sein.

Medizinische Fortschritte in den letzten Jahrzehnten sind toll und führen dazu, dass das durchschnittliche Lebensalter der Menschen steigt. Unbenommen ist aber auch, dass die „Zivilisationskrankheiten“ zunehmen. Krebs, auch weil der Körper zunehmend auf die Zerstörungen der Umwelt reagiert. Depressionen, weil die Seele erkrankt, mit dem Schwinden der Verbindungen zur Umwelt, zu unseren natürlichen Wurzeln. Krankheiten in uns werden beeinflusst durch Überforderungen, die täglich auf uns einwirken. Unsere Art des Lebens, der Druck durch Arbeit, das Funktionieren und Geld verdienen müssen, macht uns krank.

Gesünder sein. In gesund versteckt sich das Wort Sünde. Also heißt gesünder sein auch ohne Sünde sein? Weniger lügen, weniger zerstören und viel, viel mehr lieben?

Wir können gar nicht so viel Geld verdienen, mir unserer Wirtschaft, mit unserem Kapitalismus, mit unserer Wissenschaft und Forschung, um den Preis zu bezahlen, den es kosten wird, die Erde, die Natur, den vielfältigen Lebensraum, zu erhalten und zu schützen – falls das überhaupt (noch) möglich wäre. Denn wir können den Wert der Natur, zum Beispiel die Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling, nicht annähernd monetär bewerten. Wir sehen uns immer weniger als Teil der Natur. Noch weniger erkennen wir die Natur als Natur, als gleichberechtigt an, insbesondere wenn wir nicht aufhören, sie mit den Augen des Geldwertes und der Ausbeutung zu sehen. 

Aber unser Leben ist Natur. Unsere Verbindung zur Natur ist die Nabelschnur unseres Lebens. Unsere Verbindung zum Leben. Das Leben ist der Sinn unseres Lebens.

Der Mensch ist das gefährlichste Raubtier der Welt geworden. Mit unendlicher Zerstörungskraft, die alles Leben vernichten könnte, wenn wir die Verbindungen zur Natur nicht wieder neu entdecken und wieder lernen zu leben. Uns nicht mehr abnabeln von der Natur und wieder lernen zu leben.

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