Was ich mir so denke – Kurze Geschichten erzählt von Michael

Möwe

Sein Vater starb mit Mitte fünfzig. Jünger, als nun er jetzt ist. Er hat ihm nichts vorzuwerfen, nichts zu verzeihen. Der Sohn dem Vater. Weil er versucht zu verstehen.

Vater war Alkoholiker. Keine Feier ohne Bier und Schnaps. Das gehörte dazu. Um lustig zu sein. Spaß zu haben. Er macht vieles nicht so, wie sein Vater. Er trinkt nie zu viel. Mal ein Glas Bier im Sommer. Abends ein Glas Rotwein. Mehr nie. Er braucht das nicht. Um lustig zu sein. Oder die Augen zu verschließen. Vater brauchte es. Um zu vergessen. Den Krieg. In dem er als junger Mann, als Kind, eingezogen worden war. Die Wunden der Verletzung. Manchmal schmerzte ihn der amputierte Arm. Phantomschmerzen nannte er es. Ein Arm war verloren. Nicht nur ein Arm. Ein Stück von der Seele. Ein Teil von der Möglichkeit, sich einzufühlen. Weil Gewalt zum Überleben überlebenswichtig war. Und ihn abgestumpft hatte.

Ein Junge weint nicht. Du willst doch ein Mann werden. Waren Vaters Worte, wenn dem Sohn, als kleines Kind, die Tränen kamen. Im Lauf der Jahre wurde der Rücken krumm. Sitz doch gerade, herrschte ihn der Vater immer wieder an. Es half nicht. Vater konnte mit Befehlen nicht die Last nehmen, die sich mit der Zeit auf den Schultern des Sohnes anhäufte.

Sein Sohn litt unter seinen unberechenbaren Gewaltausbrüchen. Aber er machte sie sich nicht zu eigen. Auch wenn er den Jähzorn nachvollziehen kann. Der in einem entstehen kann. In Situationen, in den man sich absolut nicht wohl fühlt. In denen man gezwungen ist zu sein. Ohne sich dabei gut zu fühlen. In denen man nicht sich selbst leben kann. Sich verliert. In denen man dann, voller unkontrollierter Wut, nicht mehr nachdenken kann. Mehr als überfordert. Was, wenn nicht ein erlebter Krieg, ist eine solche Situation? Vater hatte es nie gelernt, sich aus solchen Situationen zu befreien. Er konnte es nie. Er durfte es nie. Auch wenn er es versuchte. Vielleicht.

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Nebel

Bin ich dir zu langweilig? Nein. Du bist ehrlich. Ohne Falschheit. Ohne Lüge. Du bist natürlich. Authentisch. Zärtlich. Voller Gefühle. Mit dir lebt eine Zeitlosigkeit. Ein Stillstehen der Uhren. Eine Offenheit. Ohne Maske. Ohne verstecken. Ein schöner Humor. Eine leise Person. Nichts Großes. Nichts, was immer mehr und immer größer werden muss. Was zufrieden sein kann. Mit dem was ist. Sensibel. Wahrnehmend. Verantwortung tragend. Nicht ohne Zweifel. Nicht ohne Angst. Manchmal auch verzweifelt. Auf dem Weg, zu begreifen. Das alles Leben bedeutet. Zum Leben gehört. Das Leben ausmacht.

Alles hat seine Zeit. Wenn wir es lassen. Wie es ist. Nicht verändern wollen. Was sich nicht von sich aus verändert. Das alles sein Wachsen hat. Sein Werden. Und sein Vergehen. Sein Ende. Das wir dieses Wachsen begleiten können. Helfen können, dass es gedeiht. In dem wir es sehen. Fördern. Aber das wir nicht erzwingen können, was nicht ist.

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Wenn ein Kind nicht klar ein Ja oder Nein erfährt, kann es nicht einschätzen, was ein Ja oder Nein bedeutet. Es findet schwer seinen Halt. Alles braucht seinen klaren Rahmen. Es braucht die Klarheit, nicht Worte und Taten, Gefühle und Leben als Widerspruch zu empfinden. Und somit schwer einordnen zu können.

Alles braucht seinen Zeitpunkt. Seinen Rhythmus. Wenn ein Kind Hunger hat, und dann nicht zu essen bekommt, in der Regelmäßigkeit. Was wird dann wohl aus diesem Menschen?

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Ich wippe nach oben
Du nach unten
Jeder wie es seine Aufgabe ist
Geregelt
Und doch oft alleine

Wir wippen zusammen
Du und ich
Halten wir das Gleichgewicht
Gemeinsam
Und sind nicht mehr alleine

Das ist ein Scherz. Natürlich bin ich es nicht. Gott. Wer ist Gott? Manitou? Allah? Buddha? Viele Glaubensrichtungen haben einen Gott. Oder mehrere. Manche Menschen brauchen den Glauben. Um Halt zu finden. Oder einen Sinn im Leben. Soziale Arbeit zu tun. Auch Kriege werden im Namen Gottes geführt. Es gibt bestimmt tausende Gründe. Zu Glauben. Als Kind habe ich beim Weihnachtsgottesdienst nie viel verstanden. Obwohl ich mir Mühe gab. Es war oft Geschwafel in meinen Ohren. Als Kind. Mir war und ist verstehen wichtig. Weiterlesen

Zu Geburtstagen, zu Weihnachten, zu anderen Festtagen, ist es üblich, sich etwas zu schenken. Das ist etwas sehr Schönes. Manche Menschen schaffen es aber auch, mit Geschenken völlig daneben zu liegen. Da schenkt jemand einem 14 Jährigem Mädchen Schuhe, die schon länger im Schrank lagen, und ihren Fuß zu einem Klumpfuß verunstalten. Und Reizunterwäsche, die das junge Mädchen vielleicht vor allen Verwandten auspackt. Peinlicher, nicht nur für das Kind, geht es kaum. Oder man schenkt dem 15 Jahre alt werdenden Mädchen zum Geburtstag schon selbst geschenkt bekommende Pralinen, gefüllt mit Alkohol und Trüffeln. Oder eine alte Jacke, die einem selbst nicht mehr passt.

Diese Art Geschenke, so lieb wie sie gemeint sind, sie sehen nicht den Menschen, der beschenkt wird. Sie dienen meistens dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen und eine Notwendigkeit zu erfüllen. Weiterlesen

Arbeitsteilung oder Gemeinsam

Jeder hat seine Aufgaben. Übernimmt seine Rolle. Macht bestimmte Dinge und sorgt damit dafür, dass eine Partnerschaft funktioniert. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Raum behält, sich nicht aufgibt, nicht klettet. Die Gefahr in der Aufgabenteilung aber ist, dass das Gemeinsame des Alltags schwindet. Gemeinsames Erleben begrenzt sich auf Ausflüge und Urlaube. Man entfernt sich voneinander und wird in der Zweisamkeit einsam.
Das gemeinsame Erleben, gerade auch des Alltags, ist das verbindende. Gemeinsam den Einkauf machen, die Wohnung aufräumen und einen Tee trinken. Zusammen Brötchen holen…. Gemeinsam heißt teilen. Das Leichte und das Schwere. Damit wird das Schwere leichter.
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Vertrauen, Verstehen
Offenheit, der Wunsch danach

So ähnlich, so nah
In den Träumen der Sehnsucht

So fern, so unterschiedlich
Auf dem Weg zu den Träumen

Gewonnen
Dies zu sehen, zu fühlen, zu spüren

Zu schmecken, zu hören
Mit allen Sinnen

Verloren
In der Schwere des Seins

Größe und Platz – was muss ich transportieren?

Aussehen – hat er eine individuelle Note oder sieht er aus, wie die meisten Fahrzeuge seiner Zeit?

Antrieb – wie sparsam ist er, wie umweltfreundlich?

Leistung – welche Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungsverhalten benötige ich?

Komfort und Sicherheit – welche Bedienungskonzepte machen das Autofahren einfacher?

Jeder wird auf diese Fragen seine eigenen Antworten finden. Ich werde keine objektiven Antworten geben können, nur meine Erfahrungen und meine persönliche Meinung.

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Mit meinem ersten Wagen, dem grauen Käfer: Stau in der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln. Ein älterer Fahrradfahrer drängelte sich hinter mir durch die Autoschlange und meinte, ich hätte ihn schuldhaft angestoßen. Wie nur, denn im Stau fuhr ich nicht rückwärts. Die Geschichte verlief im Sande…

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